Apfelwein und LSD

XtraErinnerungen an Timothy Learys Aufenthalt in Deutschland

Tim beim Disputieren. Foto: Archiv W. Bauer

Text: Wolfgang Bauer

1959, im Alter von 39 Jahren, aß Timothy Leary in Cuernavaca, Mexiko, am Swimmingpool eines gemieteten Hauses eine Handvoll merkwürdig aussehender Pilze, die er bei einem indianischen Medizinmann in einem nahegelegenen Dorf gekauft hatte. Nach kurzer Zeit fühlte er sich «über den Rand eines sinnlichen Niagarafalls in einen Strudel transzendenter Visionen geschleudert».

Die mexikanischen Zauberpilze waren es, die sein bisheriges Weltbild als Wissenschaftler der Harvard University drastisch veränderten und ihm Ausblicke in das Wesen der Welt bescherten, von denen er vorher nicht zu träumen gewagt hätte. In seiner Autobiografie schrieb er 1986 über sein Erleben: «Ich lachte über meine tägliche Pomposität, jene engstirnige Arroganz des Wissenschaftlers, die Unverschämtheit des Rationalen, die glatte Naivität von Worten im Gegensatz zu den unverfälschten, reichen, ewig-wechselnden Panoramen, die mein Gehirn überfluteten. (…) Ich ergab mich der Freude, wie es Mystiker seit Jahrhunderten getan haben, als sie durch den Schleier blickten und entdeckten, dass die Welt – so plastisch sie schien – eigentlich eine kleine, vom Verstand konstruierte Bühnenszene war. (…) Dann war ich weg, abgefahren in die Abteilung für fantastische Optik. Die Paläste des Nils, die Tempel der Beduinen, glitzernde Edelsteine, fein gewobene Seidenkleider, die Farben atmeten, von Muzo-Smaragden gleißende Mosaike, burmesische Rubine, Saphire aus Ceylon. Da waren edelsteinbesetzte Schlangen, maurische Reptilien, die züngelten, sich wanden und den Abfluss in der Mitte meiner Retina hinunter taumelten. Als nächstes folgte eine Reise durch die Evolution, die alle, die auf Gehirnreise gehen, garantiert erleben werden. Ich glitt den Rekapitulationskanal hinunter bis in die alten Produktionsräume des Mittelhirns: Schlangenzeit, Fischzeit, Großer-Dschungel-Palme-Zeit, grüne Zeit der Farnspitzblätter.» (1)

Lucys Xtra

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