„Narde und Safran, Kalmus und Zimt,
mit allerlei Weihrauchsträuchern, Myrrhe und Aloe
mit allen feinen Gewürzen…
Esst, meine Freunde, und trinkt und berauscht euch an der Liebe!“
(Hohelied Salomos)
Als Aphrodisiaka gelten Mittel, welche die Sexualität anregen, intensivieren oder verfeinern sollen. Aphrodisiaka werden für eine Bereicherung der erotischen Aktivitäten oder als Heilmittel bei Sexualstörungen verwendet. Ebenso kommen sie bei spirituell-sexuellen Praktiken, wie z.B. im Tantra zum Einsatz.
Zahlreichen psychoaktiven Substanzen wird eine aphrodisische Wirkung zugeschrieben.
Aphrodisiaka mit allgemein stimulierender Wirkung
Stimulierende Substanzen wirken über die Aktivierung von Wachheit und Konzentration anregend auf das sexuelle Erleben.
KAFFEE
„Ei wie schmeckt der Coffee süße,
lieblicher als tausend Küsse“
(Kaffeekantate)
Als das anregend-heiße Getränk aus dem Orient in Europa eingeführt wurde, hat man Kaffee (Coffea arabica) stark in Verbindung mit Sinnlichkeit und Erotik gesehen. „Heiß wie Feuer, schwarz wie die Nacht und süß wie die Liebe – so muss richtiger Kaffee sein“, lautete ein damals entstandenes Sprichwort. Und über dem Eingang von Leipzigs ältestem Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffee Baum“ serviert Amor höchstpersönlich ein Schälchen Mokka. Erotische Anspielungen zum Kaffeegenuss werden bis heute immer wieder in Werbung, Literatur und Kunst gemacht.
Als eine arabisch-aphrodisische Kaffeerezeptur gilt:
„Dem Kaffeepulver gemahlenem Kardamom beimischen.
Aufbrühen, dann Milch und Honig hinzufügen.“
BETEL
„Wenn die Braut dann Vertrauen gewonnen hat,
wird sie um Betel oder Blumen bitten,
und er wird sie ihr geben oder in den Schoß legen“
(Kokashastra)
Der Betelbissen, bestehend aus einem Blatt des Betelpfeffers (Piper betle), zerkleinerter Betelnuss (Areca catechu), gelöschtem Kalk und lustfördernder Gewürze wie Ingwer, Muskat, Kardamom, galt bereits in der Indischen Heilkunst Ayurveda als bewährtes Aphrodisiakum und wurde in der dortigen klassisch-erotischen Literatur – so dem Kamasutra und dem Kokashastra – empfohlen.
In diesem Kulturkreis wird Betel auch bei der Liebes- und Brautwerbung sowie für Hochzeitszeremonien verwendet.
KAKAO
„Ambrosia, der Götter Trank
Für Menschen Schokolade
Sie beide machen’s Leben lang
im wunderbaren Grade.“
(Volksdichtung)
Wer die aphrodisierende Wirkung des Kakao bildhaft vor Augen geführt haben möchte, braucht sich nur den Film „Chocolat“ (Darsteller: Juliette Binoche und Johnny Depp) anzuschauen. Kakao (Theobroma cacao) wurde bereits von den Azteken und Mayas als starkes Liebesmittel geschätzt. Dieser Ruf ist wahrscheinlich auf das Phenethylamin zurückzuführen, welches die Früchte des Kakaobaumes neben Koffein und Theobramin enthalten. Kakao löst eine anregende, stimmungsaufhellende und leicht euphorisierende Wirkung aus. Die mexikanischen Völker genießen ihr kakaohaltiges Getränk allerdings nicht süß, sondern scharf gewürzt.
Rezept für eine aztekische Xocoatl:
„Kakao, Maismehl, Zimt, Piment und Chili mit Wasser aufkochen; nach Bedarf Milch, Salz oder Honig hinzufügen“
KOKAIN
„Wehe, Prinzeßchen, wenn ich komme.
Ich küsse Dich ganz rot …
und wenn Du unartig bist, wirst Du sehen, wer stärker ist,
ein kleines, sanftes Mädchen…
oder ein großer, wilder Mann, der Cocain im Leib hat.“
(Sigmund Freud an seine Verlobte Martha)
Kokain, ein isolierter Wirkstoff aus dem Kokablatt (Erythroxylum coca), hat einen stark stimulierenden Einfluss auf das Zentralnervensystem. Gleichzeitig wird die Orgasmus-Auslösung verzögert.
Seit den Zwanziger Jahren wird dieses Aufputschmittel mit ausschweifender Sexualität in Zusammenhang gebracht. Auch die Kokain-Skandale der jüngsten Zeit weisen oft einen solchen Aspekt auf.
Aphrodisiaka mit wahrnehmungsverändernder Wirkung
Durch Substanzen, welche die sinnliche Wahrnehmung von Realität beeinflussen, kann auch die sexuelle Empfindung verändert werden.
ALKOHOL
„Komm, mein Freund, lass uns … früh aufbrechen
zu den Weinbergen und sehen ob der Weinstock sprosst
… Da will ich dir meine Liebe schenken.“
(Hohelied Salomos)
„Venus barg sich im Wein; Glut war versteckt in der Glut“
(Ovid, Kunst der Liebe)
Im ewigen Spiel der Menschen um Lust und Liebe wird auch dem Alkohol immer wieder eine stimulierende und vermittelnde Rolle zugeschrieben. Bestimmte alkoholische Getränke scheinen dabei diese Aufgaben in besonderer Weise zu erfüllen: Wein, Sekt, Tequila, Absinth eilt ein entsprechender Ruf voraus. Und kunstvoll gefertigte Cocktails animieren bereits durch Geruch und Farbe.
Lucys Xtra
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