Außergewöhnliche Räucherwerke

XtraÜber stinkende, giftige und tierische Räucherstoffe

Bei manchen Räucherstoffen mag sich der Anwender durchaus die Frage stellen, weshalb in der Vergangenheit jemand auf die Idee kam, so etwas zu räuchern. Ich denke beispielsweise an die sogenannten Räucherklauen, deren Räucheraroma an verbrannte Fingernägel erinnert, oder an die stechend in der Nase beißenden und nach Knoblauch und Zwiebeln riechenden Doldenblütlerharze. Aber auch der fossile Bernstein kann beim Räuchern eine echte olfaktorische Herausforderung sein. Ganz zu schweigen vom sogenannten Hyraceum, den versteinerten Exkrementen des Klippschliefers, dessen Geruch wohlwollend formuliert die Assoziation von „Wildgehege“ hervorruft.

Doch ganz sicher hätten die soeben exemplarisch aufgeführten Duft- und Räucherstoffe nicht eine über viele Jahrhunderte zurückreichende Anwendungsgeschichte, wenn sie ausschließlich unangenehm stinken würden. Nicht von ungefähr kommt es, dass der Umgang mit Duft- und Räucherwerk auch als „Kunst“ bezeichnet wird, da es oftmals eben viel mehr ist, als wahllos irgendwelche getrockneten Naturmaterialien auf glühende Kohlestücke zu legen. Denn natürlich geht es in der Räucherpraxis auch um das Wissen über duft- und wirkspezifische Synergien sowie um die richtigen Dosierungen.

„Stinkende“ Räucherstoffe

Ganz klar: Wenn es um Düfte und Gerüche geht, dann driften die individuellen Geschmäcker und Vorlieben in der Regel weit auseinander. Was für den einen sehr unangenehm riecht, ist für jemand anderen vielleicht ein echter olfaktorischer Genuss. Dass dies so ist, hat nicht nur etwas mit den Räucherstoffen zu tun, sondern ist erster Linie mit den Menschen.

Denn Düfte dringen unvergleichlich Tief in die Psyche ein, weshalb jeder Mensch, abhängig davon, was der Duft in einem „triggert“, bewusst oder unbewusst, unterschiedlich auf das Aroma eines Räucherstoffes reagiert. Bei den Räucherstoffen, die im Folgenden vorgestellt werden, sind sich die meisten Personen jedoch einig, dass die Räucheraromen eher weniger angenehm sind, zumindest dann, wenn der Anwender noch nichts über ihren richtigen Umgang weiß.

Räucherklauen

Bei den sogenannten Räucherklauen handelt es sich um die Deckelchen (Operculum) bestimmter Meeresschnecken, die zwar weltweit gefunden werden können, jedoch haben solche vom Roten Meer angeblich die beste Räucherqualität. Als ich zum ersten Mal Räucherklauen geräuchert habe, kam mir sofort die Assoziation von verbranntem Horn oder Fingernägeln in den Sinn, auch wenn ich einen sanften Hauch Meeresbrise herausriechen konnte; trotzdem absolut nicht angenehm.

Doch nach erfolgter Recherche wurde ich dahingehend belehrt, dass dieser Räucherstoff grundsätzlich sparsam dosiert werden und auch nur als Zusatz einer Räuchermischung verwendet werden sollte.

So ist es schließlich auch bei der biblischen Räuchermischung namens „Ketoret“ gewesen, zu deren Ingredienzien das sogenannte Onycha gehörte, und bei Onycha handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Räucherklauen. Ich habe diese historische Räuchermischung, die sich außerdem sehr wahrscheinlich aus Weihrauch, Myrrhe, Galbanum und Styrax zusammengesetzt hat, einmal mit und einmal ohne Räucherklauen rekonstruiert und angewendet.

Zu meinem Erstaunen war es tatsächlich so, dass die Mischung mit Räucherklauen noch besser gerochen hat. In sparsamer Dosierung wirkt die Räucherklaue nämlich als Fixativ, welches die anderen Düfte verstärkt und beständiger macht, ohne sich selbst dabei in den Vordergrund zu drängen.

Bernstein

Bernstein ist ein fossiles Baumharz, das zwar weltweit gefunden werden kann, wobei hierzulande der Baltische Bernstein am wichtigsten ist. Dieses Harz ist zum einen deshalb außergewöhnlich, weil es zwischen 20 und 50 Millionen Jahre alt ist und deshalb eine unglaubliche Fülle an Informationen enthält.

Möglicherweise entstammt es von Baumarten, die heute längst ausgestorben sind. In der Literatur heißt es meistens, dass im einstigen skandinavischen Bernstein-Wald eine heute ausgestorbene Bernsteinkiefer lebte, die als Lieferant für das begehrte Harz in Betracht gezogen wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wuchsen in diesem Wald allerdings auch andere harzliefernden Baumarten, sodass wir davon ausgehen können, dass Baltischer Bernstein von unterschiedlichen Bäumen stammt.

Mythologisch und auch symbolisch steht Bernstein für den Sonnenaspekt sowie für Lebenskraft, während er von der Räucherwirkung in erster Linie die Herzdimension anspricht. Aus diesem Grund ist Bernstein auch ein toller Räucherstoff. Ganz besonders jedoch dann, wenn er als Zutat einer „lichtbringenden“ und herzöffnenden Räuchermischung fungiert.

Lucys Xtra

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