Medizinalcannabis bei psychischen Erkrankungen: Mehr Studien erforderlich

Neue Review-Studie erschienen

Cannabinoide werden zunehmend als mögliche Therapieoption bei psychischen Störungen und Substanzgebrauchsstörungen diskutiert. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von 54 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 2477 Teilnehmern zeigt jedoch: Die Evidenz für ihre Wirksamkeit ist begrenzt.

Laut der Analyse kann eine Kombination aus Cannabidiol und THC Entzugssymptome bei Cannabisabhängigen lindern und den Konsum reduzieren. Auch bei Insomnie, Tic- oder Tourette-Syndrom sowie Autismus-Spektrum-Störungen zeigten Cannabinoide positive Effekte – wenn auch moderat. Gleichzeitig berichten die Studien über ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen jeglicher Art, schwerwiegende Komplikationen traten jedoch nicht häufiger auf.

Für andere psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Psychosen oder Essstörungen gibt es bislang kaum belastbare Daten. Die Forscher betonen daher, dass die routinemäßige Verschreibung von Cannabinoiden für diese Krankheitsbilder derzeit nicht gerechtfertigt ist. Sie fordern dringend qualitativ hochwertige Studien, um Nutzen und Risiken dieser Therapieoption klarer zu bestimmen.

Die Quintessenz: Cannabinoide können in Einzelfällen Symptome lindern, doch ihre Anwendung sollte weiter Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sein.

Paper: Wilson J, Dobson O, Langcake A et al. (2026), The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders: a systematic review and meta-analysis, The Lancet Psychiatry März 2026; https://doi.org/10.1016/S2215-0366(26)00015-5

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