Corona-Ausfälle und Lucys in neuem Gewand

Markus Bergers Editorial

Was für ein Jahr! Kurz bevor wir uns Ende Februar der Fertigstellung dieser Ausgabe gegenübersahen, die Mitte April zu unserem angekündigten Bicyle-Day-Vortragstag in Münchenstein bei Basel erscheinen sollte, machte uns das Corona-Virus einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Plötzlich ging gar nichts mehr.

Erst musste unser seit einem Jahr organisiertes Psychedelik-Symposium abgesagt werden – kurz darauf wurde uns klar, dass auch Lucys Rausch im April nicht würde erscheinen können. Hatten wir zunächst die Idee, die Ausgabe kurzerhand um einige Wochen zu verschieben, kristallisierte sich nach und nach heraus, dass uns durch die Covid-19-Pandemie bis auf Weiteres alle Vertriebskanäle des Pressehandels weggebrochen waren. Und nicht nur das: Auch die Verkäufe unserer anderen Verlagsprodukte gingen durch den Shutdown massiv zurück – die Ausfälle hinterließen ein großes finanzielles Loch. (Unpassenderweise war unsere Kasse zu diesem Zeitpunkt durch die Anschaffung einer dringend notwendigen Verlagssoftware und einen umfangreichen Relaunch unserer Webpräsenzen bereits vor Corona arg belastet. Ein Crowdfunding, mit dem wir dank einer großartigen Community innerhalb weniger Wochen über 20.000 Franken einsammeln konnten, vermochte, die argsten Löcher zu stopfen.)

Als unser Vertriebspartner und Pressegrosso uns dann ebenfalls nahelegte, die aktuelle Nummer Lucys Rausch ausfallen zu lassen, sahen wir uns gezwungen, den Erscheingstermin auf einen unbestimmten Zeitpunkt des späteren Jahres zu verlegen. Deshalb können wir unsere Relaunch-Ausgabe 11 erst jetzt präsentieren.

Den meisten wird es beim Kauf am Kiosk oder beim Auspacken des Abobriefs schon aufgefallen sein: Lucy‘s Rausch heißt ab sofort Lucys Rausch. Gesprochen ändert sich nichts, aber optisch verzichten wir künftig auf den stilisierten LSD-Tropfen, den der Apostroph in Lucys Wortmarke symbolisierte. Wir bekamen auch Hinweise von Lesern, die uns erläuterten, dass der Apostroph ohnehin laut Rechtschreibung fehlerhaft platziert sei – eine Tatsache, die in Deutschland Gültigkeit besitzt, in der Schweiz hingegen – Lucys Heimat – ist die Verwendung des Satzzeichens in dieser Weise korrekt.

Diese Veränderung geht einher mit einem Relaunch des Magazins, der u.a. eine neue Covergestaltung umfasst, die mehr an die Präsentation der Zeitschrift im Pressehandel angepasst ist. Damit wollen wir sicherstellen, dass interessierte Psychonauten unsere Publikation inmitten der zahlreichen Periodika am Kiosk auch dann finden, wenn sie noch nie etwas von Lucys Rausch gehört haben. So sichern wir ein wachsendes Publikum, das wir benötigen, um dieses Magazin auch künftig produzieren und als psychedelische Plattform der Bewegung anbieten zu können.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt auf dem regulierten Rausch. Außerdem präsentieren wir ein exklusives Interview mit dem Bewusstseinsforscher Stanislav Grof, der uns an den Erkenntnissen seiner jahrzehntelangen psychonautischen Forschung teilhaben lässt. Auch der Artikel zur Entdeckung des Jenaer Wissenschaftlers Felix Blei soll hier hervorgehoben werden, denn Blei entdeckte mit einer Forschungsgruppe, dass diverse Psilocybe-Pilze nicht nur Psilocybin bzw. Psilocin produzieren, sondern ebenfalls eine Reihe von Beta-Carbolinen, die – wie in der Ayahuasca – als MAO-Hemmer fungieren. „Psilohuasca“ ist also sozusagen ein Naturprodukt, wer hätte das gedacht?

Ich wünsche erhellende Momente mit dieser Ausgabe unseres Herzensprojekts wie auch mit der dazugehörigen Website www.lucys-magazin.com, die wir seit Dezember 2019 als täglich aktualisiertes Nachrichtenportal für psychotropen Lifestyle bespielen. Die Redaktion freut sich über Anregungen und Kritik.

Markus Berger, Chefredakteur

Foto: Jutta Berger