Die Zitronenverbene und ihre Verwandten: Aloysia

XtraEine interessante Pflanzengattung

Die Zitronenverbene Aloysia citrodora

Text: Markus Berger

Bei dieser ethnobotanischen Monographie handelt es sich um den gekürzten Eintrag eines in Entstehung befindlichen Buches des Titels «Neue» psychoaktive Pflanzen – Von der Drogenforschung übersehene Gewächse.

 

Die uns allen bekannte Zitronenverbene Aloysia citrodora ist eine psychotrope Pflanze. Dies gilt interessanterweise auch für einige weitere Spezies der Gattung, die von der dezidierten Psychoaktivaforschung bisher übersehen wurde.

Die Gattung Aloysia Paláu aus der Familie Verbenaceae (Eisenkrautgewächse) besteht aus derzeit 37 akzeptierten Arten, die von den südlichen USA und Mexiko bis Argentinien und Chile sowie teils in Afrika und auch Südeuropa vorkommen. Einige Spezies werden ethnomedizinisch verwendet, interessanterweise häufig zu psychoaktiven Zwecken wie der Behandlung von psychologischen bzw. psychiatrischen Symptomen und Erkrankungen. Im Folgenden die als psychotrop bekannten Arten.

Aloysia citrodora Paláu

[Syn. Aloysia sleumeri Moldenke, Aloysia triphylla Britton, Aloysia triphylla Royle, Aloysia triphylla f. serrulata Moldenke, Cordia microcephala Willd. in Roem. et Schult., Lippia citrodora (Paláu) Kunth, Lippia triphylla Kuntze, Verbena citrodora (Paláu) Cav., Verbena fragrans Salisb., Verbena triphylla L’Hér., Zappania citriodora (Paláu) Lam.]

Trivialnamen: Duftende Verbene, Zitronenduftstrauch, Zitronenstrauch, Zitronenverbene, lemon beebrush (engl.), lemon verbena (engl.), Verveine odorante (frz.)

Die Zitronenverbene ist eine überall bekannte Heil- und Gewürzpflanze mit nachweislich sedativen und schlaffördernden Effekten. Die Art ist in Südamerika, Nordafrika und Südeuropa beheimatet und wird ethnomedizinisch, z.B. in Form eines Aufgussgetränks aus den Blättern, zur Behandlung von Nervosität, Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Stress und Traurigkeit und ihrer krampflösenden Eigenschaften wegen verwendet. Außerdem bei Durchfall, Blähungen und Rheuma (Bahramsoltani et al. 2018; Jiménez-Ferrer et al. 2017; Majewska et al. 2022; Setzer 2009).

Die Pflanze ist überdies anxiolytisch, also angstlösend wirksam, wobei die Effekte u.a. mit dem GABA-ergen und serotonergen System zusammenzuhängen scheinen (Bahramsoltani et al. 2018; Haryalchi et al. 2023; Jiménez-Ferrer et al. 2017; Zago et al. 2018).

Außerdem hat die Pflanze anästhetische und neuroprotektive sowie daneben auch antioxidative, krampflösende, antimikrobielle, verdauungsfördernde, fiebersenkende und krebshemmende Eigenschaften (Bahramsoltani et al. 2018; Daniel et al. 2014; Dos Santos et al. 2017+2022; Parodi et al. 2014; Ricciardi et al. 2011). Das ätherische Öl der Art kann zur effizienten Sedierung und Narkose des Nilbuntbarschs (Oreochromis niloticus) verwendet werden (Teixeira et al. 2017).

Die Art enthält die psychotropen Verbindungen α-Amyrin, 1,8-Cineol, Citral, Eugenol, Geranial Limonen und Sitosterol sowie Neral, Citronellal, Sabinen, Campesterol, Hexadecansäure, Hexadecansäuremethylester, Octadecansäuremethylester, Eicosansäuremethylester und andere Substanzen (Hirai et al. 2022; Jiménez-Ferrer et al. 2017; Majewska et al. 2022; Parodi et al. 2012; Setzer 2009; Shahhoseini et al. 2014; Werdin González et al. 2010).

Citral weist sedative Eigenschaften auf (Hirai et al. 2022), während Eugenol narkotisierende Wirkungen hat (Parodi et al. 2012).

Ein analysiertes Exemplar aus Jordanien enthielt die psychotropen Verbindungen Limonen, Geranial, Neral, 1,8-Cineol, γ-Terpineol, β-Caryophyllen, Caryophyllenoxid und Spathulenol sowie α-Curcumen als Hauptkomponenten (Hudaib et al. 2013).

Im Libanon und in Syrien ist ein Aufgussgetränk des Namens Zhourat bekannt, der individuell aus zahlreichen pflanzlichen Zutaten hergestellt wird und als Sedativum sowie auch als Verdauungsmittel und bei Atemwegsproblemen verwendet wird. Neben Aloysia citrodora werden häufig auch Rosa x damascena Herrm., Althaea damascena Mouterde, Matricaria chamomilla L., Palau, Zea mays L. und Elaeagnus angustifolia L. beigegeben (Obón et al. 2014).

Aloysia gratissima (Gillies et Hook.) Tronc.

[Syn. Aloysia famatinensis Ravenna, Aloysia floribunda M.Martens et Galeotti, Aloysia gratissima f. macrophylla Moldenke, Aloysia gratissima var. gratissima, Aloysia gratissima var. paraguariensis (Briq.) Moldenke, Aloysia ligustrina var. paraguariensis Moldenke, Aloysia ligustrina var. schulzii Moldenke, Aloysia lycioides Cham., Aloysia lycioides var. paraguariensis (Briq.) Moldenke, Aloysia lycioides var. schulziana (Moldenke) Siedo, Aloysia lycioides var. schulzii (Standl.) Moldenke, Aloysia mizquensis Ravenna, Aloysia uruguayensis Moldenke, Lantana virgata Larrañaga, Lippia affinis Briq., Lippia gratissima (Gillies et Hook.) L.D.Benson, Lippia gratissima var. schulzii (Standl.) L.D.Benson, Lippia ligustrina var. lasiodonta Briq., Lippia ligustrina var. paraguariensis Briq., Lippia ligustrina var. schulzii Standl., Lippia lycioides Steud., Verbena gratissima Gillies et Hook., Verbena integerrima Larrañaga]

Trivialname: Ninarupa

Die Art wird in Südamerika ebenfalls zur Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems, z.B. Depressionen, als Sedativum wie auch als Analgetikum verwendet (Souza et al. 2021; Zeni et al. 2013). Sie hat antidepressive Eigenschaften und enthält Verbascosid, Hoffmaniaketon und Hoffmaniaketonacetat sowie und die Flavonoide Nepetin und 6-Hydroxyluteolin (Taboada et al. 2022; Zeni et al. 2011+2012).

Andere Studien wiesen Sesquiterpene im ätherischen Öl der Blätter nach, z.B. Pinocamphon, Caryophyllenoxid, Guaiol und Spathulenol (Benovit et al. 2015; Souza et al. 2021), wobei Caryophyllenoxid, Guaiol und Spathulenol sedative Eigenschaften aufweisen und Spathulenol auch anästhetische Wirkungen induziert (Benovit et al. 2015).

Die antidepressiven Effekte hängen vermutlich mit den serotonergen (5-HT(1A) und 5-HT(2A/2C)), noradrenergen (α1- und α2-Adrenozeptoren) und dopaminergen (D1- und D2-Rezeptoren) Systemen zusammen (Zeni et al. 2013). Am Wirkmechanismus sind außerdem γ-Aminobuttersäure- und N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren beteiligt (Farahani et al. 2015). Die Pflanze könnte «von potenziellem Interesse für die Behandlung von depressiven Störungen und neurologischen Erkrankungen sein, die mit Glutamat-Exzitotoxizität verbunden sind» (Zeni et al. 2011).

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