Drachenblut – Eine ethnobotanische Analyse

XtraEthnopharmakologie

Text: Kevin Johann

Unter der Sammelbezeichnung Drachenblut wird ein blutrotes Harz verstanden, das bereits seit Jahrtausenden für Heilzwecke sowie als Räucher- und Färbemittel eingesetzt wird. Dass es im Zusammenhang mit der Bezeichnung Drachenblut immer wieder zu kleinen Verwirrungen kommt, liegt darin begründet, dass mehrere pflanzliche Quellen unterschiedlicher Herkunft existieren. Ursprünglich bezog sich der Name Drachenblut ausschließlich auf das Harz der beiden Drachenbaum-Arten Dracaena cinnabari und Dracaena draco, erst in jüngerer Zeit wird auch das rote Harz von Pflanzen anderer Gattungen so bezeichnet.

Die verschiedenen Drachenblut-Lieferanten (nach SOLLMAN 1920 und GUPTA et al. 2008)

ArtBezeichnung des HarzesVorkommen
Croton lechleri MULL. ARG.

Croton gossypiifolius VAHL.

Mexikanisches Drachenblut, Peruanisches Drachenblut (dt.), Ian huiqui (ecuador.), Sangre de Drago/Grado (span.), Chu Cakché (quiché), Yawar

Gradwascca (peru.)

Venezolanisches Drachenblut (dt.)

Brasilien, Ecuador, Mexiko, Peru

Französisch-Guyana, Mexiko, Venezuela

Daemonorops draco

(WILLD.) BLUME

Ostindisches Drachenblut, Indisches Zinnober, Palmdrachenblut, Rotangharz (dt.), Djerang, Sanguis draconis (indon.), Longxuejie (chin.)Australien, Borneo, Indien, Molukken, Sumatra
Dracaena cinnabari BALF. F.

Dracaena cochinchinensis (LOUR.) S.C.CHEN

Dracaena draco (L.) L.

Sokotrisches Drachenblut, Sansibar Drachenblut (dt.), Sansibar drop (engl.), Dam Alakhwin, Emzoloh (jem.)

Chinesisches Drachenblut (dt.)

Kanarisches Drachenblut (dt.), Canary Dragon’s blood (engl.)

Sokotra (Jemen)

China

Kanarische Inseln, Madeira, Marokko

Pterocarpus officinalis JACQ.Westindisches Drachenblut (dt.), Guadaloupe Dragon’s blood (engl.)Karibik, Mexiko, Südamerika

Mythologie

Es gibt viele Mythen, die sich um die Entstehung des Drachenbaums ranken. Entsprechend eines griechischen Mythos, sind die ersten Exemplare einstmals aus dem Blut des mehrköpfigen Drachen Ladon entstanden, der als Gartenhüter der Hespariden sowie als Bewacher der goldenen Äpfel bekannt ist.

Getötet wurde Ladon von dem Titan Herakles (Herkules), als dieser im Auftrag des Königs Eurystheus die goldenen Äpfel raubte. Das Blut des Drachen verteilte sich daraufhin im ganzen Land und aus diesem wuchsen schließlich die ersten Dracaena-Pflanzen.

In einem anderen Mythos wird erzählt, dass die Drachenbäume aus dem Kampf zwischen einem Drachen und einem Elefanten hervorgingen, nachdem sich zum Höhepunkt der Auseinandersetzung das Blut der beiden Kreaturen vermischte und über die Erde floss.

Drachenblut als ritueller Räucherstoff

Alle Drachenblut-Variationen eignen sich hervorragend als Räucherstoffe, dürfen aufgrund ihres kräftigen Rauchs allerdings nur sparsam dosiert werden. Je nach Sorte und Qualität reicht das Aromaspektrum geräucherten Drachenblutes von angenehm süßlich, herb-würzig bis hin zu gummiartig, einige Personen beschreiben das Räucheraroma auch als „metallisch“ oder „pharmazeutisch“.

Räucherpraktiker auf der ganzen Welt beschreiben Drachenblut als einen der am stärksten reinigend wirkenden Räucherstoffe und empfehlen einen Gebrauch beispielsweise zur Ausräucherung von Krankenzimmern oder zur energetischen Wohnraumreinigung nach einem Streit. In den indigenen Kulturen fungiert Drachenblut bis zum heutigen Tag als rituelles Rauchopfer für die Götter und Geister.

Drachenblut kann alleine geräuchert werden, grundsätzlich empfiehlt es sich aber, das rote Harz in Kombination mit weiteren Räucherstoffen zu nutzen, etwa mit Benzoe oder Weihrauch.

Drachenblut aus Dracaena-Arten (Drachenbäume)

Lucys Xtra

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