„Ich glaube nicht mehr an den Tod“

XtraLSD und MDMA bei Krebspatienten

Foto: Tim Mossholder via Unsplash

Text: Mandy Falke

Rund 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Krebs. Eine Krankheit, bei der sich eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit kaum vermeiden lässt. Viele Erkrankte leiden bezogen auf ihren eigenen Tod unter massiven Ängsten. In „Die Begegnung mit dem Tod“ beschreibt Stanislav Grof, wie er mit einer Kombination aus Psychotherapie und dem gezielten Einsatz von LSD Krebspatienten half, Todesängste zu reduzieren. Nach dem Verbot von LSD ruhte die offizielle Forschung vorerst. Mittlerweile hat beispielsweise Dr. Peter Gasser aus der Schweiz (Solothurn) die Genehmigung, LSD gestützte Psychotherapien bei Krebspatienten anzuwenden.

Es war irgendein ein Morgen im Sommer 2019. Kai (Name geändert) wacht mit einer schmerzhaften Schwellung am Hals auf. Der Hausarzt verweist den 53-jährigen an einen Facharzt. „Und ab da ging das Ganze dann los“, beginnt er seine Geschichte. Hodenkrebs. Im Krankenhaus lassen sie ihn gar nicht mehr nach Hause, behalten ihn gleich dort.

„Habe ich eine Alternative zur Chemotherapie?“, fragt er völlig überrumpelt die Ärzte. Er hatte einige Horrorgeschichten gehört. „Wenn sie überleben wollen, nicht“, lautet die nüchterne Antwort des Arztes. Metastasen gibt es bereits in der Lunge, dem Bauchraum und den Lymphknoten.

Am nächsten Tag startet die Chemo. Fünf Tage muss er hierfür im Krankenhaus verbringen, darf dann zwei Wochen nach Hause. Das Ganze wiederholt sich viermal. Bei einer OP sollen die übriggebliebenen Metastasen entfernt werden. Es kommt zu Komplikationen. Eine Nierenarterie platzt. Durch Bluttransfusionen überlebt er knapp, hat 17 Tage extreme Schmerzen. Die Ärzte nennen ihm Zahlen: Zu 60 % könnte er geheilt werden. Eine Chance etwas besser als ein Münzwurf. „Mittel bis schwierig“ schätzen sie seinen Fall ein.

Heute gilt Kai als krebsfrei. Er wohnt ihn Baden-Württemberg, führt dort „ein ganz normales Leben“: Bürojob, Festanstellung. Vielleicht lebt er ein wenig zurückgezogen, mag Stille mehr als Party, liebt die Wälder und die Natur. Seit vielen Jahren gehört Meditation zu seiner täglichen Praxis.

„Ein Freund hat mich mal gefragt, wie ich die Krebszeit erlebt habe“, erzählt er. „Stell dir vor, du wärst auf einer Blumenwiese: Vögel, Sonne, das ganze Programm halt. Dann tut sich plötzlich der Boden auf, zwei Hände ziehen dich nach unten und hängen dich nackt und kopfüber an einem Fleischerhaken auf. Eine etwas derbe Metapher, ich weiß. Kennst du Hades, den Gott der Unterwelt?“

Lucys Xtra

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