Psychedelische Elektromusik hat hoffnungsvollen Nachwuchs zu verzeichnen! Das Projekt Dividuum des Heidelbergers David Isermann ist irgendwo zwischen hybridem Dark-Prog-Psytrance und Psychedelic Techno angesiedelt, extrem kunstvoll und visionär, mit hohem Wiedererkennungswert und um zahlreiche Anleihen aus unterschiedlichen Musikstilen bereichert. Davids Debut, die EP Continuum Dividare, ist im Juli 2025 bei Zenon Records erschienen. Wir haben mit dem Künstler gesprochen.
Das Gespräch führte Markus Berger.

Wow, wow, wow, David! Was ein Sound! Den müssen unsere mit elektronischer Musik verbundenen Leser unbedingt hören. Wie kamst du auf das Genre der psychedelischen Elektromusik? Hast du eine Verbindung zur psychedelischen Kultur?
Ich bin über Partys und Festivals in die psychedelische Szene hineingewachsen. Die Offenheit und Freiheit dieser Kultur haben mich sofort berührt. Und diese Musik – so komplex und doch so simpel, futuristisch und zugleich organisch. Dieses kreative Umfeld hat mich nachhaltig geprägt und mich in meiner persönlichen Entwicklung vorangetrieben.
Ich meine immer ganz gut heraushören zu können, ob ein Musiker seine psychedelischen Sounds auf Grundlage eigener Erfahrungen kreiert oder ob er die psychedelischen Elemente als reiner Theoretiker in seine Musik einbaut. Dich würde ich definitiv in erste Gruppe einordnen. Bist du ein Psychonaut?
In meiner Jugend habe ich durchaus Erfahrungen mit verschiedenen psychoaktiven Substanzen gemacht, und diese Zeit hat sicherlich meinen Blick auf Musik und meine Wahrnehmung geprägt. Heute konsumiere ich seit vielen Jahren nichts mehr. Nicht, weil ich das grundsätzlich ablehne, sondern, weil es sich für meinen heutigen Lebensstil einfach richtig anfühlt.
Du hast mit klassischen Instrumenten begonnen, Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Seit wann machst du Musik und was sind deine genauen musikalischen Hintergründe?
Musik begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Bereits mit zwölf Jahren habe ich mit einem einfachen Musikprogramm experimentiert und sogar ein House-Album produziert – leider existiert das heute nicht mehr. Außerdem habe ich bis zu meinem 16. Lebensjahr Schlagzeugunterricht bekommen. Klavier und Gitarre habe ich mir dann später selbst beigebracht. Vor etwa fünf Jahren habe ich mir dann Ableton Live zugelegt und seitdem ist die Musikproduktion meine Leidenschaft.
Gibt es Künstler, die dich beeinflussen, die dich inspirieren?
Meine größte Inspiration ist die Natur, deshalb verbringe ich viel Zeit im Wald. Natürlich gibt es auch Künstler, zu denen ich aufschaue und die meinen Stil geprägt haben. Den stärksten Einfluss hatte dabei sicher Slip Hypnotic – seine Produktionen sind für mich nach wie vor eine enorme Inspirationsquelle.
Deine Musik enthält viele organische, natürliche Sounds. Sind das kommerzielle Samples oder nimmst du die verschiedenen Geräusche und Klangkulissen selbst auf?
Ich nehme viele meiner Sounds selbst auf, besonders, wenn ich in der Natur unterwegs bin. Zwitschernde Vögel, plätschernde Bäche oder rauschender Wind landen dann direkt in meinen Tracks. Dazu kommen manchmal industrielle Texturen, die spannende Kontraste erzeugen. Für besonders spezifische Geräusche nutze ich gelegentlich auch mal kostenlose Online-Sample-Bibliotheken.
Betreibst du deine Musikproduktion schon hauptberuflich oder gehst du nebenher einem Brotjob nach?
Ich mache derzeit meinen Master in Sensorelektronik. Musik hauptberuflich zu machen, reizt mich momentan nicht. Ich genieße es, kreativ arbeiten zu können, ohne dass ein finanzieller Druck dahintersteht. Außerdem habe ich durch das Ingenieurstudium ein tiefes technisches Verständnis für Audio- und Musikelektronik entwickeln können, das mir in meinen Produktionen enorm zugutekommt.
Was für Musik hörst du privat? Welche Künstler und Projekte laufen bei dir zuhause?
Zuhause läuft bei mir alles Mögliche, allerdings überraschend wenig elektronische Musik. Ich höre viel Psychedelic Rock, wie z.B. King Gizzard and the Lizard Wizard, aber auch ältere Sachen wie Pink Floyd. Außerdem höre ich sehr gerne Oldschool-Hip-Hop, z.B. A Tribe Called Quest und Guru. Zwischendurch gerne auch mal klassische Musik, z.B. Corelli und Beethoven.

Hast du für die kommende Zeit irgendwelche Bookings, sprich: Werden wir dich 2026 live zu sehen bekommen?
Im Moment ist es etwas ruhig, aber am 4. April spiele ich bei einer Zenon Label Night in Amsterdam, weitere Termine sind in Planung.
Was hast du aktuell in Vorbereitung? Gibt es was in deiner musikalischen Pipeline?
Meine zweite EP Cold Fusion erscheint im Februar auf Zenon Records. Der Fokus liegt diesmal klar auf Breakbeats und experimentelleren Rhythmen statt auf den typischen 4-to-the-Floor-Beats. Ich möchte mit dieser EP die Grenzen des Zenon-Sounds ein Stück weiter verschieben und frischen Wind in das Genre bringen. Wer neugierig ist: Auf SoundCloud gibt es bereits erste Previews.
| David Isermann wuchs in Heidelberg in einer von Musik geprägten Umgebung auf. Er spielte Schlagzeug, Gitarre und Klavier, bevor er das Studium der Elektrotechnik aufnahm, in dem er ein vertieftes Verständnis für Musikelektronik und Audiotechnik entwickelte. Von der natürlichen Welt inspiriert, webt David Feldaufnahmen von Wäldern, Bächen und Wildtieren in seine Produktionen ein und erschafft immersive Klanglandschaften mit stark organischem Charakter. Sein Sound verbindet synkopierte Basslines mit psychedelischen Texturen und dunklen Atmosphären. Die Grenzen von Dark Prog auslotend, verschiebt und formt Dividuum das Genre, indem er Elemente aus Drum & Bass, Garage, Trap, Dubstep und darüber hinaus integriert. Er schafft so einen unverwechselbaren, sich ständig weiterentwickelnden Sound, der Natur und Technologie miteinander verbindet. |
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