IPCR 2016: Ein Tripbericht

XtraInterdisciplinary Conference for Psychedelics Research 2016

1. Set und Setting
Entlang einer der vielen schönen Grachten Amsterdams spazierte ich zu dem auf einer kleinen Stadtinsel gelegenen Veranstaltungsort Het Sieraad, zu deutsch «das Juwel». Auf zwei Bühnen brachten hier über 60 Referentinnen und Referenten den Edelstein der psychedelischen Weisen zum Erstrahlen. Im Inneren des Juwels traf ich Joost Breeksema, den Schirmherrn der Interdisciplinary Conference for Psychedelics Research (IPCR). Vor zehn Jahren, auf einer Tagung in Basel zur Feier von Albert Hofmanns 100. Geburtstag, hatten Joost und sein Kollege Dorien Tatalas den Grundstein für eine Veranstaltung gelegt, die ein Brennpunkt für die psychedelische Gemeinschaft in den Niederlanden und ein Sprungbrett für angehende Wissenschaftler auf diesem Gebiet werden sollte. Die ICPR 2016 stellte die bisher größte Veranstaltung der OPEN Foundation dar.
Hofmanns LSD war vielfach zentrales Thema für die Referentinnen und Referenten. Einer der ersten Vorträge der Konferenz hätte ihn wohl besonders gefreut: Robin Carhart-Harris erläuterte seine Arbeit zu den funktionellen Auswirkungen von LSD auf das menschliche Gehirn mit dem Team um David Nutt am Imperial College London, siehe Lucy‘s Mix auf Seite 15. Eines der Ergebnisse, nämlich dass durch LSD eine verminderte Aktivität im sogenannten Ruhenetzwerk des Gehirns hervorgerufen wird, deutet auf eine Anwendungsmöglichkeit gegen Depression hin. LSD nun als Wundermittel zu propagieren, wäre jedoch noch verfrüht, warnte Carhart-Harris. Die vorläufigen Ergebnisse sind dennoch vielversprechend und zugleich Erfüllung der Prophezeiung Hofmanns, dass sein LSD nach jahrzehntelanger Repression wieder den Weg in die Medizin finden würde.
Die Auswirkungen der Repression mit dem von Richard Nixon proklamierten «War on Drugs» auf den legalen und illegalen Drogenhandel schilderte der klinische Psychologe Tarek Najeddine: einerseits die explosionsartige Verbreitung der sogenannten Research Chemicals, die mit pharmakologisch noch unbekannten Wirkspektren in den Körpern nichtsahnender User ihr Unwesen treiben, andererseits das Auftauchen wilder Mischungen mit zum Teil höchst besorgniserregenden Streckmitteln. Schlimmstenfalls wäre dann in einer Ecstasy-Pille nur noch eine homöopathische Konzentration an MDMA vorhanden.
Um absolut reines MDMA ging es in den Präsentationen von Kim Kuypers, Matthias Liechti und Rick Doblin. Kuypers referierte lebhaft und mit sichtbarer Freude an ihrer Forschung über die neurobiologischen Grundlagen prosozialer Effekte unter Einfluss von MDMA, während Liechti schweizerisch-kühl Ergebnisse darlegte, die er durch die Gabe von LSD und MDMA an gesunde Probanden gewonnen hatte. Doblin, der Gründer der US-amerikanischen Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS), sprach über seine Ambitionen, MDMA-assistierte Psychotherapie gegen posttraumatische Stressstörung zu einer anerkannten Behandlung und MDMA damit zu einem verfügbaren Medikament zu machen. Sein Dauergrinsen während der Präsentation sollte wohl kommunizieren, dass es sich trotz erheblichem Gegenwind immer lohnt, für seine Träume und Ideale einzustehen. Und entgegen der Vorstellung der meisten Zuhörer verkündete er zum Schluss: «The FDA is our friend, not our enemy!» Davor, danach und parallel dazu gab es viele weitere Vorträge zur Geschichte verschiedener psychedelischer Substanzen und zu den Themen Philosophie, Ayahuasca und Therapie, Harm Reduction und Neurowissenschaften.

Lucys Xtra

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