Kampfer – Lord Shivas Flamme des Bewusstseins

XtraEthnobotanik: Räuchern

Cinnamomum camphora

Text: Kevin Johann

Kampfer ist ein schneeweißes und kristallines Harz-Destillat mit einem charakteristischen und direkt in den Kopf steigenden Aroma, das ursprünglich aus dem ätherischen Öl des bis zu vierzig Meter hohen Kampferbaums gewonnen wird und in China, Indien, Japan und Tibet auf eine lange Geschichte als Heilmittel und rituelles Räucherwerk zurückblickt.. Gleichzeitig wird Kampfer, wenn auch vergleichsweise selten, als stimulierende Zutat des Betelbissens und einiger Schnupftabake verwendet.

Kampfer entsteht, wenn sich das frische Destillat des Kampferbaums (Cinnamomum camphora) im Erkaltungsprozess befindet. Aufgrund der günstigeren Herstellungskosten wird Kampfer heutzutage allerdings meistens synthetisch erzeugt – als Ausgangssubstanz der Synthese fungiert dabei die Verbindung α-Pinen. Wenn möglich, sollte beim Erwerb darauf geachtet werden, dass es sich um das originäre Naturprodukt handelt.

Synthetischer Kampfer verströmt zwar ebenfalls ein frisches, befreiendes, belebendes und an Eukalyptus erinnerndes Aroma, er verfügt jedoch nicht über die feinen Qualitäten des Naturharzdestillates. Heimisch ist der Kampferbaum in den Ländern des östlichen Asiens, wobei sich kommerzielle Kulturen inzwischen auch weit außerhalb der ursprünglichen Herkunft befinden, so zum Beispiel auf Sri Lanka, in Brasilien sowie in Ostafrika.

Symbolik & Mythologie

Kampfer hat die Eigenschaft, dass er schnell und vollkommen rückstandsfrei verbrennt. In Indien wird die helle Flamme des brennenden Kampfers deshalb als „Shiva’s Flamme des Bewusstseins“ interpretiert, welche wiederum die Transformation des konditionierten „Ichs“ (Ego) symbolisiert.

Schließlich verkörpert Shiva, neben seiner Rolle als kosmischer Zerstörer, auch jenen Aspekt, der in den mystischen Lehren als das wahre und göttliche Selbst oder als universelles Bewusstsein beschrieben wird, und der üblicherweise nur dann erfahren werden kann, wenn der geistige Fokus nicht auf das konditionierte Selbstbild gerichtet ist.

Die spirituelle Botschaft einer Kampferräucherung könnte daher folgende sein: „Mögen sich unsere Egos in reiner Liebe auflösen (bzw. wieder in den größeren Kontext des Lebens einbetten), auf das wir die einheitliche Verbundenheit sowie die Göttlichkeit allen Lebens erfahren.“

Eine weitere Verknüpfung zwischen dem Kampfer-Harz und Shiva findet sich im Khartigai Deepam. Dieses in Südindien gefeierte Lichterfest erinnert an die Legende um den heiligen Berg Arunachala (dt. roter Berg), bei dem es sich entsprechend der traditionellen Überlieferungen um die Manifestation Shivas handelt. Es heißt, Shiva sei dort einstmals als riesige Flammen- bzw. Lichtsäule erschienen, als das erste Linga.

Deshalb wird auch heute noch zum Höhepunkt dieses mehrtägigen, im November oder Dezember stattfindenden Festes auf dem Gipfel des Arunachala eine große Menge Kampfer und Ghee entzündet.

Die aufsteigende und Shiva symbolisierende Flamme lässt sich noch aus weiter Entfernung erkennen. Die Kombination aus Ghee und Kampfer ist aber auch im Rahmen von anderen aus Indien stammenden Feuerzeremonien von wichtiger Bedeutung, besonders beim sogenannten Arati.

Lucys Xtra

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