Liquid Soul ist LSD

Der Progressive-Psychedelic-Trance-Pionier im Gespräch

«Es ist essentiell, die Message in die Welt zu bringen.» Liquid Soul

Als Pionier des Psychedelic Trance hat Nicola Capobianco aus Zürich (38) als einer der ersten melodiöse, epische Progressive-Trance-Klänge mit deepen und auditiv-psychoaktiven Psychedelic-Elementen verquickt und in der Psytrance-Szene etabliert. Liquid Soul steht für groovigen Sound mit Wiedererkennungswert.

Nicola, inwieweit bringst du deine Musik mit LSD und psychedelischen Zuständen in Verbindung? Zu Albert Hofmanns 112. Geburtstag hattest du auf Facebook einen Dank an ihn gepostet.

Grundsätzlich ist unsere Musik ja sehr LSD-freundlich. Und Liquid Soul ist in meinem Freundeskreis der Spitzname für liquides LSD. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich als Künstler so nenne – da gibt es also eine sehr enge Verbindung zu der Substanz.

Du hast um die Jahrtausendwende begonnen, Progressive Psychedelic Trance zu produzieren, nachdem dich ein Freund auf eine Goa-Party mitgenommen hatte. Kannst du beschreiben, wie dich diese Erfahrung inspiriert hat?

Anfang der Neunziger habe ich klassischen Trance für mich entdeckt, vorher war ich Heavy-Metal-Fan. Mit Trance habe ich dann auch als Produzent angefangen. Anfang des neuen Jahrtausends schleppte mich ein Freund auf eine Goa-Party in der Schweiz, die Zoom auf dem Zürichberg. Da hatten wir auch Liquid Soul dabei. Ich war enorm überrascht, als ich diese Musik hörte, denn sie war so unglaublich frei und hat mich derart mitgezogen in dieser Nacht, dass ich am nächsten Tag beschloss, ein neues Projekt zu starten: eine Fusion aus Trance und Psychedelic Trance. Dabei hab ich das ganz blauäugig angefangen, einen anderen Künstler aus dieser Richtung zu kennen. Ich versuchte einfach, meine eigene Vision umzusetzen und einen Sound zu kreieren, den ich mir auf einer Goa-Party wünschen würde.
Bis heute habe ich trancige Einflüsse in meiner Musik, so sind zum Beispiel immer Melodien dabei. Ich war auch einer der ersten, der die Geschwindigkeit im Psychedelic Trance gedrosselt hat. So um die 130 bis 135 bpm und nicht so vertwisted. Und damit habe ich eher ungewollt einen neuen Stil hervorgebracht, den Progressive Psychedelic Trance.

Du machst trippige und dabei melodiöse und groovige Musik, deine Sets bezeichnen viele als Tripbegleitung, die den Zuhörer eine Geschichte erleben lässt.

Wie du es formuliert hast, so meine ich es auch: Die Musik soll eine Art Reise, eine Erfahrung sein. Jeder, der das schon mal erlebt hat, weiß, was ich damit meine. Ich würde sagen, Psychedelic Trance muss als Soundtrack für Reisen in innere Welten taugen. Es geht nicht nur darum, Party zu machen, sondern es geht um Bewusstseinserweiterung – gerade mit LSD, wenn man sich auf dem Dancefloor so richtig fallenlassen kann. Deshalb ist es mein Ziel, eine Geschichte zu erzählen, mit einem Anfang, einem Höhepunkt und einem Runterkommen.

Nicola Capobianco. Foto: ZVG

Wie hast du dich vom Psychedelic-Trance-Hörer zum Produzenten entwickelt? Hast du eine musikalische Ausbildung oder spielst du ein Instrument?

Früher hab ich mal Gitarre gespielt, aber nie wirklich ambitioniert. Als Produzent von elektronischer Musik bin ich Autodidakt, ich habe keine musikalische Erziehung genossen. Das ist aber meiner Meinung nach ein Vorteil, denn ich bin damit nicht an die starren Gefüge und Begrenzungen der Musiktheorie gebunden, sondern produziere aus dem Bauch oder besser: aus dem Herzen heraus.

Was ist für dich das Besondere an Psychedelic Trance im Vergleich zu Trance?

Psychedelic geht tiefer, die Musik ist an sich tiefgründiger und auch nicht so kommerziell – wobei sich das auch in den letzten Jahren ein wenig verändert hat. Psychedelic kann den Zuhörer tiefer in die Erfahrung bringen und besser Geschichten erzählen, denen man auch länger folgen kann.

Das Zusammenleben auf der Erde entwickelt sich gerade in eine chaotische Richtung, während immer mehr Menschen die gelebte Spiritualität suchen. Willst du mit deiner Musik dazu eine Message verbreiten?

Absolut! Es geht grundsätzlich genau darum. Es steht schließlich viel auf dem Spiel: die Natur und unser Lebensraum, Miteinander und Menschlichkeit; letztlich geht es um Bewusstseinserweiterung, die dringend nötig ist. Das ist etwas, das in der Musikszene sonst sehr vernachlässigt wird.
Psychedelic Trance hat sich in den letzten drei bis vier Jahren ziemlich in die Richtung entwickelt, die spirituelle Botschaft nach außen zu tragen – und das ist sehr begrüßenswert. Es ist nämlich essentiell, die Message in die Welt zu bringen. Und das ist auch Aufgabe der Psychedelic Community.

soundcloud.com/liquid-soul
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Interview Markus Berger