Mailand: Forscher entdecken Kokain in 400 Jahre alten Skeletten

Drogengeschichte in Europa

Unter der größten staatlichen Universität Mailands haben Archäologen ein verborgenes Gräberfeld aus dem 17. Jahrhundert freigelegt. Dort fanden sie nicht nur Tausende Skelette, sondern auch erstaunliche Spuren von Kokain, Cannabis und Opioiden.

Das Massengrab befand sich einst unter einem Krankenhaus für Bedürftige. Viele Patienten, die dort behandelt wurden, starben und wurden in den Katakomben bestattet. Durch die besonderen Bedingungen blieben Knochen und sogar Reste von Hirnsubstanz über Jahrhunderte erhalten – ein Glücksfall für die Forschung.

Ein Team um den Bioarchäologen Mirko Mattia und die Forensikerin Cristina Cattaneo konnte in Proben Drogenspuren nachweisen. Besonders aufsehenerregend: Coca, dessen Konsum in Europa damit mindestens 200 Jahre früher belegt ist, als bisher angenommen.

Während Opium in alten Arzneibüchern des Krankenhauses durchaus dokumentiert ist, fehlen Hinweise auf Cannabis oder Kokain. Historiker schließen daraus, dass diese Substanzen nicht medizinisch verabreicht, sondern von den Menschen selbst konsumiert wurden.

Die Entdeckung könnte die Drogen-Geschichtsschreibung nachhaltig verändern – und zugleich neue Einblicke in den Alltag der ärmeren Bevölkerung im frühneuzeitlichen Mailand liefern.

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