Text: Nana Nauwald
«Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit trägt wirklich ein Forellenkleid
und dreht sich stumm und dreht sich stumm nach anderen Wirklichkeiten um.»
André Heller
«Denkst du dir deine Bilder aus?», werde ich oft gefragt, und auch: «Was nimmst du ein, um solche Bilder malen zu können?»
Wenn ich male, höre ich auf zu denken. Ich nehme zum Malen keine mein Bewusstsein weitende Substanzen ein, auch wenn sie mir Freunde sind.
Ich bin lebenslang eine «Wirklichkeits-Miss-Marple», gehe auf unterschiedlichen Wegen meinen inneren Multiversums-Wirklichkeiten nach, möchte die Vorhänge der Wirklichkeits-Erscheinungen lüften, um meine Wirklichkeit zu erkennen und diesem Bewusstseins-Multiversum in meinen Bildern Ausdruck zu geben. Die Welten hinter der Welt entdecken.
«Unsere ganze innere Welt ist Wirklichkeit, mehr vielleicht als die sichtbare Welt.»
Marc Chagall
Lebenslang ist es mein Anliegen, in der äußeren Natur die unglaubliche Vielfalt an Wirklichkeiten in meiner inneren «Natur» zu erspüren, mein multiverses Sein zu erfahren und es in meinen Bildern sichtbar werden zu lassen. Ich lasse den Bildern Zeit, sich in mir zu zeigen. Dazu brauche ich Denkstille, die ich erlange, wenn ich ohne Smartphone, ohne Bestimmungsbuch in der äußeren Natur bin, den Vögeln und dem Wind lausche. Vögel und Wind sind wichtige Lehrmeister meiner Malerei.
So ist der Flug der Vögel für mich der freie Flug meines Geistes und Ausdruck der Hingabe an die Bewegung des Lebens-Windes. So wie der Blick des Vogels die Weite erfasst und das winzige Einzelne zugleich – so spüre ich in meinen Bildern der wundersamen Intelligenz des Lebens nach, dem Samenkorn im Wind. Der Wind, der Atem der ersten Schöpfungskraft aus dem in vielen indigenen Ethnien das Leben entstand. Seit 35 Jahren durchwandere ich schamanisch geprägte und in Verbundenheit mit Natur lebende indigene Ethnien, vor allem in Südamerika und Sibirien. In vielen dieser Ethnien habe ich erfahren, dass der Wind als schöpferischer Atem, als mächtiger Meister der Wandlung angesehen wird. Mit einer bestimmten Absicht jemanden zu «bepusten», ist dort immer noch eine wichtige Handlung zum Bewirken von Wandel vieler traditioneller Schamaninnen und Schamanen.
Wahrnehmungs-Wandel kennzeichnet für mich den Prozess, das in mir erscheinende Bild auch mit den äußeren Augen sichtbar werden zu lassen. Eine Weisheit aus der Weltsicht des Sufismus ist mir bei diesem Erkennnisweg immer wieder eine hilfreiche Erinnerung: «Das, was durchscheint durch das, was erscheint.» So hat es auch Caspar David Friedrich «gesehen», obwohl er nie als visionärer Künstler bezeichnet wurde:
Lucys Xtra
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