Eine aktuelle Übersichtsarbeit wirft ein differenziertes Licht auf den Einsatz alternativer Wirkstoffe bei Zwangsstörungen (Obsessive-Compulsive Disorder, OCD). Während etablierte Medikamente vielen Betroffenen helfen, bleibt ein erheblicher Anteil – bis zu 60 Prozent – therapieresistent.
Vor diesem Hintergrund untersuchten Forscher systematisch die bislang verfügbare Literatur zu Cannabinoiden und Psychedelika als mögliche Behandlungsoptionen. Das Ergebnis: Die Datenlage ist insgesamt noch dünn, doch es zeichnen sich erste Trends ab.
Besonders Cannabis-basierte Wirkstoffe, die historisch oft medizinisch genutzt wurden, konnten die Erwartungen bislang nicht erfüllen. Die vorhandenen Studien – meist Umfragen oder Einzelfallberichte – liefern keine überzeugenden Hinweise auf eine wirksame Behandlung von Zwangsstörungen.
Anders stellt sich die Lage bei Psychedelika dar. Substanzen wie Psilocybin, LSD und DMT rücken nach Jahren der Forschungspause wieder in den Fokus der Wissenschaft. Vor allem Psilocybin zeigt in ersten kleinen Studien und Fallanalysen ein mögliches therapeutisches Potenzial – insbesondere bei Patienten, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen.
Die Autoren betonen jedoch, dass belastbare Aussagen noch nicht möglich sind. Es fehle an großen, methodisch hochwertigen klinischen Studien, um Wirksamkeit und Sicherheit zuverlässig zu bewerten.
Dennoch sehen Fachleute in den Ergebnissen einen wichtigen Impuls: Angesichts der begrenzten Behandlungsmöglichkeiten für therapieresistente OCD könnte die weitere Erforschung von Psychedelika neue Wege in der Psychiatrie eröffnen.
Paper: Van Ameringen M, Patel V, Patterson B, Hopkinson P, Rahat M. (2026), New treatments for OCD? Evidence for cannabinoids and psychedelics. J Psychiatr Res. 193: 172-178.
