Niemand machte mehr Werbung für LSD als Timothy Leary. Er prägte den bekanntesten Slogan der psychedelischen Ära – „turn on, tune in, drop out“ („Turn dich an, stimm dich ein, steige aus“) – und war so erfolgreich mit seiner Werbung für LSD, dass Richard Nixon ihn „den gefährlichsten Mann Amerikas“ nannte. Leary beeinflusste praktisch alle Ströme, die in den 1960er-Jahren mit dem Gebrauch von LSD in Zusammenhang standen.
Nachdem er einige anfängliche Schwierigkeiten beim Bachelorstudium überwunden hatte, promovierte Leary später in Psychologie an der Universität Berkeley. 1959 nahm er eine Dozentenstelle in der Psychologieabteilung an der Harvard University an. Kurz darauf entwickelte er eine starke Faszination für die Wirkungen von Psilocybin und bildete eine Forschungsgruppe, um dessen therapeutisches Potenzial zu erforschen. Zu der Zeit, als er seine Psilocybinforschungen durchführte, nahm Leary zum ersten Mal selbst LSD.
Der britische Wissenschaftler Michael Hollingshead, der von einem Freund, Dr. Beresford, einige Tausend Dosen Sandoz-LSD bekommen hatte, besuchte 1962 Harvard und erzählte Leary, wie sehr er von der Droge beeindruckt sei. Leary schrieb in seiner Autobiographie Flashbacks (dt. Titel: Denn sie wussten was sie tun: Eine Rückblende): „Hollingshead versuchte unser gemütliches, selbstoffenbarendes Psilocybin und tat es abschätzig als hübsche Farben ab, verglichen mit den philosophischen Explosionen der Lysergsäure.“
Leary nahm bald darauf seinen ersten Acid-Trip und empfand ihn als „die erschütternste Erfahrung meines Lebens.“ Er beschrieb diese Erfahrung folgendermaßen: „Ich drehte und wand mich sanfte, faserige Lichtalleen hinunter, die mich zu einem zentralen Punkt führten. Eins mit diesem pulsierenden Strahl, konnte ich nach außen schauen und das gesamte kosmische Drama überblicken. Vergangenheit und Zukunft. Alle Formen, alle Strukturen, alle Organismen, alle Begebenheiten waren Fernsehproduktionen, die von dem einen Auge ausgingen … Nach mehreren Milliarden Jahren fand ich mich auf meinen Füßen wieder und bewegte mich im Marionettentheater der Wirklichkeit.“
Learys Beschreibung seines ersten Trips lassen zwei Themen anklingen, die später die Schwerpunkte seiner psychedelischen Philosophie bildeten. Ein Thema bezog sich auf die künstlichen „Spiele“, die normales soziales Verhalten bestimmen (was er „Marionettentheater der Wirklichkeit“ nannte). Wenn LSD den Menschen ermöglichte, sich von diesen Spielen loszulösen, könnten sie ihr Verhalten zum Besseren verändern. Das zweite Thema betraf die Evolution der Gattung Mensch.
Leary behauptete, auf seinem ersten Trip „alle Formen, alle Organismen“ der „Vergangenheit und Zukunft” wahrgenommen zu haben. Er konzentrierte sich den Rest seines Lebens darauf, der Menschheit bei der Weiterentwicklung dessen, was er als die Evolution des Bewusstseins nannte, zu helfen. Leary beriet sich mit anderen Intellektuellen und Künstlern, die mit halluzinogenen Drogen experimentiert hatten, unter ihnen Aldous Huxley und Allen Ginsberg. Auf Ginsbergs Zuraten hin entschloss sich Leary, von dem, was er Huxleys „elitären Standpunkt“ zu LSD nannte, abzurücken und lieber dem „amerikanischen, egalitären, publikumsträchtigen Zugang“ den Vorzug zu geben (Flashbacks).
Lucys Xtra
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