Text: Kevin Johann
Sicherlich können wir auch im antiken Griechenland zahlreiche Elemente finden, die wir heute dem Phänomen „Schamanismus“ zuschreiben würden. Denn auch die alten Griechen haben sich zur Divination in Trance versetzt, sie kannten sich mit allerlei heilsamen und psychoaktiven Pflanzen aus, sie haben in universellen Prinzipien die Gottheiten erkannt und wussten um die Existenz der „anderen Wirklichkeit“.
Himmel und Erde als Urgötter
Am Anfang war das Chaos; so heißt es in der griechischen Mythologie zur Entstehungsgeschichte des Lebens, und aus diesem Chaos, dieser kosmischen „Ursuppe“, gingen die Urgottheiten Uranus (Himmel) und Gaia (Erde) hervor. Diese beiden wiederum zeugten das Göttergeschlecht der Titanen, bei denen es sich um Riesen in Menschengestalt handelte; weiterhin gehörten zu den direkten Nachfahren von Uranus und Gaia die sogenannten Hekatoncheiren sowie die Kyklopen.
Die nächsten Gottheiten in dieser Ahnenreihe waren Helios (Sonnengott), Zeus (Göttervater im Olymp) und Demeter (Muttergöttin im Olymp) und in der Folge noch viele weitere olympische und nicht-olympische Gottheiten. Außerdem existieren in der griechischen Mythologie Nymphen (Wald- und Baumnymphen, Talnymphen, Meernymphen u. a.), Halbgötter, Heroen, Menschen, Tiere und Ungeheuer.
Die Vorstellung, dass Himmel und Erde die Welt erschufen, finden wir in zahlreichen schamanischen Kulturen weltweit. Sie ist keinesfalls auf das antike Griechenland beschränkt. Außerdem wird bei genauerer Betrachtung der zahlreichen in der Mythologie vorfindbaren Göttergestalten schnell deutlich, dass es sich nicht etwa um frei erfundene Figuren handelt, sondern um Personifikationen kosmischer und universeller Prinzipien, die in den Mythen verarbeitet wurden. Aus diesem Grund kann die Mythologie, die immer auch sehr bildhaft ist, eine schöne Hilfe dabei sein, die äußeren und inneren Welten auch jenseits der Wissenschaft ein bisschen besser verstehen zu können.
Dionysos – Gott des Rauschs und der Ekstase
Dionysos ist der Gott der Ekstase; er ist der altgriechische „Schamanengott“, der auch als der „Zweimalgeborene“ bezeichnet wird und in einigen Merkmalen deutliche Parallelen zum indischen Shiva aufweist. In der Mythologie des Dionysos geht es um Raserei und göttlichen Wahnsinn, Rausch und Ekstase sowie um Leben und Tod.
Doch nicht nur in Dionysos finden wir die Merkmale eines Schamanen(gottes), sondern ebenfalls in der heil- und zauberkundigen Göttin Hekate sowie in den mythologischen Frauenfiguren Circe und Medea. Alle drei Charaktere verfügten über ein Verwandtschaftsverhältnis und haben große Wesensähnlichkeiten.
Mythologien von Reisen in die Unterwelt
Die antiken Jenseitsvorstellungen über die sogenannte Unterwelt (Hades) waren keinesfalls schaurig, bedrohlich oder beängstigend. Schließlich stellten sich die alten Griechen das Jenseits als eine große und mit wunderschönen Blumen, allen voran Affodill, bewachsenen Wiese vor.
Ursprünglich hieß es, dass alle Menschen nach ihrem Tod auf diese Wiese kommen, unabhängig von Geschlecht und Status usw. Dazu musste die Seele jedoch erst auf einer vom Fährmann Charon gesteuerten Fähre den Fluss Styx überqueren, der das Reich der Lebenden vom Hades trennte. Erst später gesellte sich die Vorstellung eines „jüngsten Gerichtes“ dazu. Die verstorbenen Seelen durften von nun an nicht mehr direkt auf der Affodillwiese verweilen, sondern die Totenrichter entschieden zunächst über das weitere Schicksal der Seele.
- Die Seele musste den Unterweltsfluss Lethe („Fluss des Vergessens“) überqueren und anschließend als Schattenwesen emotionslos in den Affodillwiesen leben.
- Die Seele durfte in ewiger Glückseligkeit in Elysion („Insel der Seligen“) verweilen.
- Die Seele wurde in den Tartaros verstoßen, wo sie höllische Qualen erleiden musste.
Zu der wohl bekanntesten mythologischen Unterweltreise gehört sicherlich die Geschichte vom „Raub der Persephone“, die davon erzählt, wie der Herrscher des Totenreichs Hades die blumenpflückende Persephone gegen ihren Willen in die Unterwelt zog und sie zu ihrer Gemahlin machte. Persephone (auch Kore) ist die Tochter der Demeter.
Lucys Xtra
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