Nach einer allgemeinen Einführung in den südafrikanischen Schamanismus und einer Vorstellung des Ubulawu, das traditionell zur Herbeiführung von luziden Träumen eingenommen wird, widmet sich der zweite Teil dieses Artikels einer ganzen Reihe unterschiedlicher psychoaktiver Gewächse, die in Südafrika ebenfalls eine lange Anwendungstradition als Ritualpflanzen erfahren; darunter sogenannte Oneirogene, Stimulanzien und Halluzinogene.
Tatsächlich handelt es sich bei den meisten in Südafrika genutzten psychoaktiven Ritualpflanzen um sogenannte „Traumpflanzen“, deren primäre Qualität es ist, dass sie Träume intensivieren und das Traumbewusstseins klären und schärfen können. Wie ich im ersten Teil geschildert habe, ist der luzide Traum für die südafrikanischen Wahrsager der Zugang in die visionäre Welt, in der sie in Kontakt mit den Ahnengeistern treten können. Aus diesem Grund sind die oneirogenen Pflanzen nirgendwo sonst von einer solch hohen ethnorituellen Bedeutung wie in Südafrika.
Über eine Verwendung von halluzinogenen Pflanzen liegen deutlich weniger Informationen vor, auch wenn wir davon ausgehen können, dass auch sie vereinzelt von traditioneller Bedeutung sind. Über das Stammesvolk der im südlichen Afrika heimischen Tsonga ist beispielsweise bekannt, dass sie halluzinogene Pflanzen im Exorzismus verwenden, wenn ein Stammesmitglied von einer fremden Entität besetzt wurde. Dann wird beispielsweise der Kopf des Patienten in ein Becken getaucht, welches mit einem Wasser befüllt ist, in dem die Wirkstoffe aus verschiedenen halluzinogenen Pflanzen extrahiert wurden. Daraufhin wird der Patient dazu gebracht, unter Wasser seine Augen zu öffnen, was ein starkes Brennen und eine Veränderung der Sicht herbeiführt.
Die indigene Terminologie für psychoaktive Pflanzen
Südafrikanische Heiler und Wahrsager machen in Bezug auf psychoaktive Pflanzen üblicherweise einen Unterschied zwischen Gewächsen, deren Wirkstoffe Halluzinationen erzeugen, und solchen, die das Traumbewusstsein intensivieren und klären. Dabei werden die Visionen, die durch die halluzinogenen Pflanzen verursacht werden, vielfach als „unrein“ angesehen, wohingegen es sich bei der Wirkung der trauminduzierenden Pflanzen um die „wahren“ Visionen handelt. Folglich existieren in der indigenen Terminologie auch verschiedene Begrifflichkeiten für Pflanzen mit psychoaktiven Eigenschaften. In der Sprache der Zulu werden halluzinogene Pflanzen wie zum Beispiel Boophone disticha unter der Sammelbezeichnung „bhayiskhobho“ (dt. „Kino“, „Fernseher“, „Spiegel“) zusammengefasst. Wiederum werden Pflanzen, die Träume von den Ahnen herbeiführen, metaphysisches Sehen ermöglichen oder die Wahrsagekraft stärken können, darunter beispielsweise Silene capensis und Chamaecrista mimosoides, „bonisele“ genannt. Diese Bezeichnung ist von dem Wort „bona“ abgeleitet, das sinngemäß übersetzt „in meinem Namen sehen“ oder „mir das Licht zeigen“ bedeutet.
Weiterhin wird im Kontext der psychoaktiven südafrikanischen Pflanzenmedizin zwischen insgesamt vier Kategorien differenziert:
1) reinigende Pflanzenmedizin, die den Körper sowie den Geist auf die Erlangung neuen Wissens vorbereitet.
Lucys Xtra
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