Slow Dosing

XtraHerkunft und Technik

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Text: Markus Berger und Torsten Passie

Es gibt Konsumenten von Psychoaktiva, die sich mit den zuweilen überwältigenden Effekten eines beginnenden Psychedelika-Rauschs nicht anfreunden können, aber dennoch auf die Einnahme der Stoffe nicht verzichten wollen. Solche Anwender profitieren von einer Technik der gestaffelten Einnahme von Molekülen, die wir Slow Dosing nennen. Dabei nimmt man nicht die volle Dosis einer Substanz auf einmal, sondern die angestrebte Menge in mehreren Portionen über einen gewissen Zeitraum. Dies verhindert beziehungsweise mildert potenzielle übermäßige psychische wie auch physische Reaktionen. Das kann beispielsweise für Anwender von Vorteil sein, die Angst vor einer plötzlichen vollständigen Veränderung des Bewusstseinszustands haben. Es profitieren aber auch jene vom Slow Dosing, die aufgrund körperlicher Vorbelastungen oder aus anderen Gründen lieber vorsichtig mit psychoaktiven Stoffen experimentieren.

So werden zum Beispiel MDMA und verwandte Stoffe mit gleicher oder ähnlich hoher Dosierung beim Slow Dosing mit initialen Dosen von 20 bis 40 Milligramm eingeleitet, um dann 30 bis 60 Minuten später eine weitere, ähnlich große Portion einzunehmen. Das Ganze führt man dann im Halbstunden- oder Stundentakt fort, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist. Anwender berichten über einen deutlich milderen Wirkungseintritt, meist ohne kardiovaskuläre Symptome wahrzunehmen, und von einer dennoch intensiven Wirkung nach Erreichen der geplanten Dosis.

Obgleich eine Fraktion innerhalb der psychedelischen Gemeinde der festen Überzeugung ist, dass ein Nachlegen von LSD aufgrund der Dauer bis zur vollen Wirkungsentfaltung nicht sinnvoll sei, gibt es doch ebenso viele Anwender, die das Gegenteil behaupten. Sie sind der Ansicht, dass auch LSD gut nachdosiert werden kann, wenn die Session entsprechend lange angelegt ist. So beginnen manche User mit einer initialen kleineren Dosis, zum Beispiel 50 bis 100 Mikrogramm, und nehmen nach einer Stunde oder bis zu zwei Stunden später eine weitere Dosis, je nach gewünschter Intensität. LSD-Slow-Doser berichten, dass die Wirkung sich so deutlich schleichender einstellt; sie baut sich über einen Zeitraum von vier bis sechs Stunden auf und bleibt kürzer auf dem Höhepunkt, um schließlich ebenso schleichend und langsam wieder abzuflachen.

Ralph Metzner spricht im Bezug auf die 5-MeO-DMT-Einnahme (geschnupfte Reinsubstanz) in seinem psychonautischen Praxishandbuch Die Kröte und der Jaguar von einer «Verfeinerung der Einnahme», die der Slow-Dosing-Technik entspricht, «welche die negativen Reaktionen [auf die volle Dosis 5-MeO-DMT] praktisch auf null reduziert». Er empfiehlt «zuerst ein Einschnupfen von 5 Milligramm, einer Schwellendosis; dann, etwa 20 Minuten später, wenn die volle Wirkung spürbar ist, kann man, je nach Wunsch, eine weitere Dosis von 5–10 Milligramm einnehmen, um die Wirkung zu vertiefen. Diese stufenartige Methode erzeugt eine tiefe Heilungstrance, die etwa 90 Minuten anhält, worauf die gewöhnliche Wahrnehmung des Körpers und der Umgebung in Realzeit langsam und sanft zurückkehrt» (Metzner 2015: 75).

Sanduhr
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Im Handbuch für nachhaltige Erfahrungen mit Entheogenen konkretisiert Metzner: «Bei diesem [zweiphasigen] Prozess wird in einem ersten Schritt nach vorbereitender Meditation eine ED-50-Schwellendosis von 5 mg geschnupft, was wahrnehmbare muskelentspannende Effekte, die Wahrnehmung eines weichen, warmen Fließens in allen Körperteilen sowie einfacher farbiger Muster hervorruft. Die Hauptwirkung tritt nach circa 20–30 Minuten ein. Analog kann man sagen, es ist, als ob man auf einem Boot seine ‚See-Beine‘ findet – der Körper erkennt die Medizin und entspannt sich durch ihre Wirkung. Viele Teilnehmer können bei diesem Wirkungsgrad gegenwärtige Themen in ihrem Leben erforschen und psychosomatische Heilung herbeiführen. Dieje-nigen, die in tiefere Ebenen gehen möchten, können sich dann dafür entscheiden, weitere 5–10 mg über die Nase aufzunehmen, was eine Vertiefung und Ausdehnung ihrer Erfahrung für weitere 50–60 Minuten ab Einnahme der zweiten Dosis ermöglicht» (Metzner 2017: 103).

Lucys Xtra

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