Slowenien legalisiert Cannabis

Medizin, Wissenschaft und Freizeit

Mitte Juli trat in Slowenien ein neues Gesetz in Kraft, das Cannabis für medizinische und wissenschaftliche Zwecke legalisiert. Es erlaubt den Anbau, die Verarbeitung, den Vertrieb und die Anwendung innerhalb eines streng regulierten Systems. Dabei dürfen sowohl öffentliche als auch private Anbieter tätig werden. Ärztinnen und Ärzte können Cannabis verschreiben, wenn sie es medizinisch für sinnvoll halten. Slowenien zeigt sich in der Cannabis-Politik fortschrittlicher als viele andere Länder Europas. Statt ideologischer Grabenkämpfe setzt das kleine Alpenland auf pragmatische Lösungen.

Die Produktion muss hohen Qualitätsstandards entsprechen, etwa den Richtlinien für landwirtschaftliche Praxis (GACP), der Herstellungspraxis (GMP) und des Europäischen Arzneibuchs. Zuständig für die Lizenzvergabe ist die slowenische Arzneimittelbehörde, die auch den Import und Export überwacht. Eine Genehmigung erhalten nur Unternehmen, die bereits im pharmazeutischen Bereich tätig sind. Zudem sind die Produktionsmengen begrenzt.

Kurz vor der Parlamentsabstimmung wurde zusätzlich ein Entwurf zur Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch eingebracht. Geplant ist, dass Privatpersonen bis zu vier Pflanzen pro Person – maximal sechs pro Haushalt – anbauen dürfen. In der Öffentlichkeit sollen bis zu sieben Gramm erlaubt sein, zu Hause bis zu 150 Gramm pro Person, höchstens jedoch 300 Gramm pro Haushalt.

Auch im Straßenverkehr verfolgt Slowenien einen weniger rigiden Ansatz als viele andere Länder. Statt pauschaler Grenzwerte soll eine Regelung greifen, die sich an der tatsächlichen Fahrtüchtigkeit orientiert. Die THC-Werte würden im Vollblut gemessen – eine Methode, die als genauer gilt als die in Deutschland übliche Serum-Analyse. Vorgesehen ist ein Toleranzmodell ähnlich wie bei Alkohol. Auch Drogentests am Arbeitsplatz sollen künftig verboten werden – im Gegensatz zu Deutschland, wo es hierzu keine einheitliche Regelung gibt.

Alles in allem könnte Slowenien schon bald eines der modernsten und liberalsten Cannabis-Gesetze Europas haben – und Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung hinter diesen Plänen steht.

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