Tschechien erlaubt Psilocybin bei schweren psychischen Erkrankungen

Psychedelisch unterstützte Psychotherapie

Die tschechische Regierung hat die Rahmenbedingungen für den medizinischen Einsatz von Psilocybin festgelegt. Mit einer neuen Verordnung werden erstmals konkrete Regeln für die Anwendung der psychoaktiven Substanz bei therapieresistenter Depression und anderen schweren psychischen Erkrankungen definiert. Grundlage ist eine Gesetzesänderung, die im August 2025 den medizinischen Gebrauch von Psilocybin legalisierte.

Künftig dürfen Psychiaterinnen und Psychiater Psilocybin dann einsetzen, wenn herkömmliche Behandlungen keine ausreichende Wirkung zeigen. Die Entscheidung trägt der wachsenden wissenschaftlichen Evidenz Rechnung, wonach Psilocybin – der Wirkstoff sogenannter „Magic Mushrooms“ – vielversprechende Effekte bei Depressionen und weiteren psychiatrischen Krankheitsbildern haben kann.

Der Bedarf ist hoch: Schätzungen zufolge leidet fast jede dritte Person in Tschechien an einer Form psychischer Erkrankung. Rund 700.000 Menschen gelten als von Depressionen oder Angststörungen betroffen, wobei Depressionen bei Frauen etwa doppelt so häufig diagnostiziert werden wie bei Männern.

Gesundheitsminister Vlastimil Válek bestätigte nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch, dem 10. Dezember, dass die neue Therapie ab Januar 2026 verfügbar sein soll. Zugelassen ist sie zunächst für Patientinnen und Patienten mit schweren Depressionen, die auf gängige Antidepressiva nicht ansprechen, sowie für Depressionen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen. Darüber hinaus kann Psilocybin bei einer plötzlichen Verschlechterung anderer schwerer neuropsychiatrischer oder psychischer Störungen eingesetzt werden, sofern diese eine akute Lebensgefahr darstellen und der Einsatz wissenschaftlich ausreichend begründet ist.

Die Verordnung sieht strenge Auflagen vor. Psilocybin darf ausschließlich von Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie verschrieben und nur unter spezialisierter Aufsicht verabreicht werden. Innerhalb eines Monats sind maximal drei Anwendungen mit einem Mindestabstand von sieben Tagen erlaubt. Die Gesamtdosis darf dabei 75 Milligramm nicht überschreiten; eine Einzeldosis ist auf höchstens 35 Milligramm beziehungsweise 0,4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht begrenzt.

Trotz dieser Einschränkungen betont das Gesundheitsministerium die vergleichsweise hohe Sicherheit der Substanz. Psilocybin weise eine geringe Toxizität, ein minimales bis nicht vorhandenes Abhängigkeitspotenzial und insgesamt ein günstiges Sicherheitsprofil auf.

Parallel zur rechtlichen Umsetzung laufen Vorbereitungen in der Praxis. Die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Rita Kočárová, die in Tschechien zur psychedelisch unterstützten Psychotherapie forscht, arbeitet gemeinsam mit Fachkolleginnen und -kollegen an Schulungsprogrammen und klinischen Leitlinien. Ziel ist es, die neue Therapieform fachlich fundiert und verantwortungsvoll in das bestehende Gesundheitssystem zu integrieren.

Quelle 1 | 2