Wenn Gras wie von selbst blüht

XtraDie Wiederentdeckung von Cannabis ruderalis

Wenig Seitentriebe sind ein Kennzeichen älterer Ruderalis- Kreuzungen. Foto: Michael Knodt

Text Michael Knodt

Cannabis sativa und Cannabis indica sind zweihäusige Pflanzen; lediglich die weiblichen Pflanzen produzieren nennenswerte Mengen psychoaktiver Cannabinoide wie Delta-9-THC, Delta-8-THC oder THCV. Mit der Wiederentdeckung der Cannabiskultur in Europa und den USA gab es vor 30 Jahren in den Niederlanden die ersten Samenproduzenten, die sich im Laufe der folgenden Jahre auf die Zucht potenter Sorten für den Freiland- sowie den Kunstlichtanbau spezialisieren sollten. Die Entwicklung und Produktion der in den meisten EU-Ländern legalen Samen ist jedoch untrennbar mit den fast überall verbotenen Cannabispflanzen verbunden; daher findet die Erschaffung neuer Sorten und die Forschung noch immer im Verborgenen statt. Weil die Niederlande die Cannabis-Gesetzgebung in den vergangenen Jahren immer repressiver gestaltet hat, produzieren die meisten Saatguthersteller derzeit dort, wo die Gesetzeslage dank der Cannabis Social Clubs (CSC) eine kleine Lücke hat: Spanien duldet den Cannabisanbau seiner halblegalen CSC sowie zum Eigenbedarf von Privatpersonen und hat sich nebenbei auch zum Eldorado der Samenzucht gemausert.

Männlich, weiblich, «Auto» oder «Auto-Fem»?
In den ersten zehn Jahren bestand das Sortiment aller Züchter, die im Szenejargon Breeder genannt werden, aus regulärem Saatgut. Ob ein Sämling männlich oder weiblich ist, sieht ein Züchter erst, wenn die Pflanze bereits ein bis zwei Wochen blüht. Sobald das Geschlecht anhand der Geschlechtsmerkmale wie Blütenansätze und Wuchsform bestimmt ist, werden die männlichen Pflanzen entfernt. Das war vielen Hobbygärtnern ein Dorn im Auge, denn bei einer Rate von durchschnittlich 50 Prozent männlicher Pflanzen war der Ausschuss bei der Zucht aus Samen relativ hoch.

Die einzige Methode, nur weibliche Pflanzen zu erzeugen, war die Selektion einer weiblichen Mutterpflanze, die Ableger (Klone) mit identischen Eigenschaften produziert. Doch die dazu notwendige Einrichtung einer abgetrennten Aufzuchtkammer war und ist für viele Hobbygärtner einfach viel zu aufwendig. So kam es, dass besonders ambitionierte Breeder Samen züchteten, aus denen fast ausschließlich Pflanzen mit weiblichen Eigenschaften keimen. Dafür gibt es verschiedene Techniken, die allesamt der Erzeugung von Pflanzen mit hermaphroditen, also zwittrigen Eigenschaften dienen, deren männliche Gene allerdings rezessiv sind und somit nicht ausgebildet werden. Feminisierte Cannabispflanzen sind also eigentlich Zwitter, die ausschließlich weibliche Geschlechtsmerkmale ausbilden, die männlichen Gene jedoch noch im Erbgut haben.

Lucys Xtra

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