Text Michael Schlichtling und Albert Hofmann
Im Juni 1987 trafen sich einige der bekanntesten europäischen Pioniere der Psychedelika- und Bewusstseinsforschung zu einem kleinen wissenschaftlichen Symposion in dem kleinen Schwarzwaldort Kandern, um die Möglichkeiten einer Wiederbelebung der lange Zeit brachliegenden Forschung auf dem Gebiet der veränderten Bewusstseinszustände und der therapeutischen Anwendung psychoaktiver Substanzen auszuloten. Aus diesem multidisziplinären Treffen von engagierten Forschern und Therapeuten – unter ihnen Albert Hofmann, Hanscarl Leuner, Jan Bastiaans, Adi Dittrich, Christian Rätsch, Juraj Styk, Christian Scharfetter und andere –, ging schließlich das Europäische Collegium für Bewusstseinsstudien (ECBS) hervor. In den folgenden Jahren veranstaltete das ECBS eine Reihe wissenschaftlicher Symposien und internationaler Kongresse, die unter dem Titel «Welten des Bewusstseins» bekannt geworden sind und die gesellschaftliche Diskussion über den Nutzen und die Risiken des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen wesentlich bereichert haben.
Hofmann machte auf den Einsatz seines «Sorgenkindes» bei Sterbenden aufmerksam.
In seinem Eröffnungs- und Hauptvortrag in Kandern machte Albert Hofmann auf ein lange Zeit nur wenig beachtetes Anwendungsgebiet psychoaktiver Substanzen aufmerksam, nämlich den Einsatz seines «Sorgenkindes» LSD in der Sterbebegleitung. Er erinnerte an die Ideen und Erfahrungen des berühmten Schriftstellers und Philosophen Aldous Huxley mit der «Moksha-Medizin », an die ersten, bahnbrechenden Forschungsarbeiten in den USA in der 60er-Jahren über die medizinische Anwendung von LSD als Schmerzmittel und Psychopharmakon bei Sterbenden sowie an den LSD-Pionier Stanislav Grof und seine bekannte Monographie The Human Encounter with Death (dt. Begegnung mit dem Tod, 1980)
Die damaligen Hoffnungen auf eine Wiederzulassung von LSD und anderen psychoaktiven Substanzen als Hilfsmittel in der Psychotherapie haben sich nicht erfüllt. Diese Gedanken von Albert Hofmann können uns jedoch auch heute noch in Erinnerung rufen, dass das ungeheure Wirkpotenzial von LSD nicht nur im Rahmen einer therapeutischen Behandlung genutzt werden kann, sondern als kostbarer Naturschatz und universelles Kulturgut allen Menschen zur Verfügung stehen sollte, um ihr Leben bewusst zu vollenden und den «großen Übergang» zu erleichtern.
Der Gedanke, Psychedelica könnten bei Sterbenden angewendet werden, ist zum erstenmal von einer Frau vorgebracht worden. In einem Bericht im amerikanischen Magazin This Week im Jahr 1957 über die Erforschung der mexikanischen Zauberpilze schrieb die Frau des bekannten Ethnomykologen R. Gordon Wasson, Dr. Valentina P. Wasson, wenn es gelänge, die psychoaktiven Wirkstoffe dieser Pilze zu isolieren, man ein Medikament in den Händen hätte, das nicht nur zur Behandlung von psychischen Störungen und Alkoholismus, sondern auch zur Linderung der Schmerzen von Sterbenden dienen könnte.
Die nächste Anregung für die Anwendung eines Psychedelicums am Sterbebett stammt vom Schriftsteller und Philosophen Aldous Huxley. In einem Brief an den Psychiater Humphrey Osmond schrieb er 1958:
Lucys Xtra
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