Grundlagen der praktischen Psychonautik

XtraPsychedelische Bewusstseinsreisen: Gut vorbereitet sein

Tryptamines II. Artwork: Markus Berger

Text: Markus Berger

Wenn wir in den Urlaub fahren, müssen wir uns am besten gut vorbereiten und auf einiges gefasst machen. Womöglich bereisen wir Gegenden, die wir nie gesehen haben, in denen Menschen leben, deren Kultur eine völlig andere ist als die unsere. Wir müssen uns darauf einstellen, es mit einer fremden Sprache zu tun zu haben, mit fremden Sitten und vielleicht gar mit andersartigen Moralvorstellungen und religiösen Überzeugungen. Bevor wir in den Urlaub starten, müssen wir uns die notwendige Zeit dafür schaffen, bei guter Gesundheit sein, die entsprechende Laune mitbringen, genügend Geld auf dem Konto und auch im Portemonnaie haben, die Flüge oder Fahrten müssen gebucht, die Unterkünfte reserviert werden. Alles vollkommen normale Vorbereitungen, die wir tätigen, um anschließend eine erholsame Urlaubszeit mit maximaler Chance auf Rekreation genießen zu dürfen. So etwa sieht die Planung einer Reise in der äußeren Welt aus, und nicht anders verhält es sich mit den Reisen, die der ernsthafte Drogenkonsument (Psychonaut genannt) in den inneren Weltenraum des Geistes unternimmt. Niemand bzw. wahrscheinlich die allerwenigsten würden auf die Idee kommen, einfach spontan und aus einer Lust oder Laune heraus, jetzt sofort ins Auto zu steigen und ohne jede Vorbereitung in ein fremdes Land zu fahren. Und genauso sollte auch mit psychoaktiven Molekülen umgegangen werden, die unseren Geist in andere Gefilde katapultieren. Wie man sich am besten vorbereitet und was es alles zu beachten gilt, schauen wir uns jetzt einmal an.

Demut

Als ich meinen Freund und Kollegen, den Ethnopharmakologen Christian Rätsch (1957-2022), im Rahmen eines Interviews einmal fragte, was seiner Ansicht nach das wichtigste Rüstzeug des Drogenkonsumenten ist, antwortete er: «Die Demut. Die Demut vor der Natur». Und damit sind wir bereits dabei, unsere psychedelische Reisetasche zu füllen. Wer psychoaktiven Substanzen mit Gleichgültigkeit, Überheblichkeit oder falscher Lässigkeit begegnet, der ist für die Reise in den inneren Weltraum nicht gut gewappnet. Fehlende Demut vor der Natur und der Natur des Geistes, mangelnde Demut vor dem Mysterium des Lebens und ebenso fehlende Demut gegenüber den psychoaktiven Molekülen, die Mittler zwischen den Welten und Geisteszuständen sind, kann für den Reisenden in katastrophalen psychischen Verstrickungen enden, derer er sich nicht allein erwehren kann, und die er möglicherweise während der psychedelischen Sitzung nicht einmal seinen Mitreisenden zu vermitteln in der Lage ist. Machtvolle Entheogene, wie zum Beispiel die Tryptamin- und Phenethylaminhalluzinogene, sind im Grunde nicht geeignet, lapidar und nebenher «eingeschmissen» zu werden. Die Folgen können nämlich für den Unbedarften ganz besonders unschön werden: Verwirrungszustände, Angst, Paranoia und psychotische Anwandlungen können aus der unreflektierten und angeberischen Zufuhr von Psychedelika resultieren.

Gute Gesundheit

Der Drogenkonsument sollte vor Antritt einer Reise bei guter Gesundheit sein. Sowohl physisch wie auch psychisch. Es ist nicht besonders sinnvoll, sich mit einem akuten Fieberschub auf einen psychedelischen Trip einzulassen – es sei denn, man ist Profi und weiß genau, was man tut und hat ein klar definiertes Ziel vor Augen. Auch mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, Organerkrankungen und anderen schwerwiegenden körperlichen Gebrechen sollte man sich am besten nicht auf einen psychoaktiven Trip begeben. Das Gleiche gilt für psychische Erkrankungen. Neigt ein Mensch bekanntermaßen dazu, psychoseartige Symptome auszubilden oder hat er anderweitige Probleme geistiger Natur, so sollte eine psychedelische Reise allenfalls in Begleitung eines erfahrenen Schamanen, Therapeuten oder Heilers geschehen. Wenn überhaupt. Der Alleingang des Laien muss zwar nicht, kann aber schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Bildung

Eine der wichtigsten Faustregeln des Drogenkonsumenten: Wisse, was du tust. Unwissenheit, Ignoranz und Naivität sind die denkbar schlechtesten Begleiter der psychonautischen Sitzung. Drogenwissen, Drogenkompetenz und auch Genusskompetenz sind Schlagworte, die nicht nur als Parolen verstanden, sondern so gut wie möglich beherzt werden sollten. Hier schließt sich nur ein weiteres Mal der Kreis, den wir zu Anfang des Abschnitts mit unserer imaginären Urlaubsreise eröffnet haben. Die Vorbereitung ist das A und O der psychedelischen Erfahrung. Niemand würde auf die Idee kommen, sich in das Cockpit eines Flugzeugs zu setzen, die Maschine zu starten und ohne jede Kenntnis von Technik, Handwerk und Gepflogenheiten der Fliegerei in den Himmel abzuheben. Wieso sollte ich mich als (angehender) Psychonaut also völlig unbedarft an Moleküle wagen, deren Vehikel, Geschwindigkeit und Ziel (bezogen auf die Analogie zum Flugzeug und Urlaub) ich nicht einschätzen kann? Wer beispielsweise DMT nimmt, sollte nicht erwarten, dass die Wirkung eines Glases Weins resultiert. Ein Minimum am Bildung ist stets notwendige Voraussetzung für einen potenziell gelungenen psychedelischen Trip.

Lucys Xtra

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