Kambô, Rapé und Ayahuasca. Der Stamm der Katukina

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Bis vor Kurzem lebten die Stammesangehörigen der Katukina am Gregorio-Fluss, in derselben Region und demselben Stammesland wie die Yawanawa, mit denen sie viele familiäre Beziehungen durch Ehe pflegen. In den 80er Jahren zogen sie an den Campinas-Fluss, wo sie für die Regierung an der Autobahn arbeiteten; die meisten Katukina leben immer noch dort. Die Katukina gehörten zu den Ersten, die ihre schamanische Medizin außerhalb des Staates Acre bekannt machten; insbesondere die Verbreitung von Kambô wurde von ihnen vorangetrieben. Sie können als Meister der Medizin betrachtet werden, im Gegensatz zu einigen nicht einheimischen Scharlatanen, die sich selbst als Meister bezeichnen.

Sozialstruktur und Geschlechterrollen
Ein typisches Katukina-Dorf wird von einem älteren Ehepaar und deren Kindern und Enkelkindern aufgebaut. Die Katukina neigen dazu, nur Pano-Frauen zu heiraten, die eng mit ihren Familien verwandt sind. Sobald sie heiraten, beginnen die Frauen, in der Nähe der Familie ihrer Männer zu leben. Polygamie ist unter den Katukina-Männern weit verbreitet; die verschiedenen Ehefrauen eines Mannes werden als Schwestern betrachtet. Wenn ein Mann nur mit einer Frau verheiratet ist und sie stirbt oder er sie aus anderen Gründen verliert, heiratet er in der Regel die Schwester seiner Ex-Frau.
Die Katukina teilen die sozialen Aufgaben zwischen Männern und Frauen schon sehr früh auf. Nach der Pubertät unterstützen die Kinder ihre Eltern bei häuslichen Aktivitäten und lernen dabei, wichtige Aufgaben für den Stamm zu erfüllen. Jungen werden in der Regel für Aktivitäten im Freien ausgebildet, beispielsweise für das Jagen, Pflanzen und Roden, während Mädchen hauptsächlich häuslichen Tätigkeiten nachgehen, zum Beispiel der Essenszubereitung, dem Waschen und der Kinderbetreuung. Nur wenige alltägliche Aktivitäten üben Männer und Frauen gemeinsam aus, nämlich Fischen und Früchte sammeln – Letzteres, weil die Bäume oft so hoch sind, dass die Männer sie erklimmen oder fällen müssen. Für die Männer und Frauen des Katukina-Stammes ist es sehr wichtig, diese täglichen Arbeiten mit Erfolg abzuschließen.
Um heiraten zu können, müssen Jungen ihre Jagdfähigkeiten demonstrieren und Brandrodungen für das Anlegen von Feldern beherrschen, während Mädchen lernen, Maniok zu ernten und stammestypische Speisen zuzubereiten. Wenn der Mann oder die Frau diesen Verpfl ichtungen nicht nachkommen, kann die Ehe aufgelöst werden.

Ähnliche geschlechtsspezifi sche Rollen sind bei den Kambô-Ritualen zu beobachten: Die Männer tragen das Gift auf Arme und Brust auf, um Energien in den Bereichen des Körpers zu aktivieren, die für die Jagd und die Erschließung von Rodungsplätzen wichtig sind. Mädchen hingegen wenden Kambô an den Beinen an, um sie für das Tragen von Körben und kleinen Kindern zu stärken.

Das neue Medizinhaus
Fernando Katukina

Heilige Geister und Pflanzen
Die Katukina wissen sehr viel über die Pflanzen- und Geisterwelt, und sie sind tief mit der Verwendung heiliger Pflanzen verbunden. Es besteht eine besondere Beziehung zwischen den Katukina und der Kambô- Medizin, die als essenzieller Teil der Stammeskultur und des Stammeswissens angesehen wird. Obwohl die Katukina eine so starke Verbindung mit heiligen Pflanzen haben, sind sie nicht auf deren rein schamanische Anwendung angewiesen: Jedes Mitglied kann Kambô anwenden (LIMA 2005; LIMA et LABATE 2012; MARTINS 2006). Kambô ist ein Teil der Stammeskultur und wird seit jeher als wichtiger Impfstoff und als Medizin verwendet.

Die Katukina betrachten sich selbst als den ersten Stamm, der Kambô direkt vom Frosch Phyllomedusa bicolor erhalten hat. Darüber hinaus initiierten die Katukina die Verbreitung von Kambô in städtischen Gebieten, indem sie ihr Wissen über die Froschmedizin mit nicht-indigenen Menschen und sogar mit Medien wie der New York Times teilten. Sie gelten daher als die «Großväter» der Kambô-Medizin.

Quellen & Literatur:

pib.socioambiental.org/en/povo/katukina-pano/1888 EK Lima (2005) • Kampu, kampo, kambô: o uso do sapo-verde entre os Katukina. Revista do IPHAN, Rio de Janeiro; 32: 254-267 • Lima EC, Labate BC (2012). Kambô: From the forests of Acre to the urban centers. Povos indígenas no Brasil; 2001/2005 • Martins HM (2006). Os Katukina e o kampô: aspectos etnográfi cos da construção de um projeto de acesso a conhecimentos tradicionais. Dissertação (Mestrado em Antropologia Social), Universität von Brasília, Brasília.

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Aldeia: Zufluchtsort im tiefen Urwald

«Als wir zum ersten Mal zur Rapé- Medizin recherchierten, halfen uns die Mitglieder des Katukina-Stammes, die tief in den Wäldern und weit entfernt voneinander lebten. Aus Respekt und Bewunderung beschlossen wir, unsere Plattform Katukina.com zu nennen.» – Maurice de Graaf

Katukina.com finanziert ein Projekt, das sich im neuen Katukina-Dorf Aldeia befindet. Stammesführer Fernando Katukina gründete dieses neue Dorf tief im Wald, um so von der Straße und all den Problemen, die sie mit sich bringt – wie dem verheerenden Alkohol –, möglichst weit entfernt zu sein. Die Stammesangehörigen haben einen Platz im Wald gerodet und bauen dort Häuser für die Familien, die den Häuptling in dieser neuen Phase begleiten. Das neue Dorf wird sich darauf konzentrieren, die Traditionen des Stammes zu bewahren und dem alten Glauben treu zu bleiben. Diese Traditionen sind untrennbar mit der heiligen Medizin der Katukina verbunden. Katukina.com stellt die Mittel für den Bau des «Medizinhauses» zur Verfügung. Dies ist ein Zufluchtsort im Urwald, in dem die Katukina unter anderem ihre Medizin wie Rapé, Sananga und Ayahuasca herstellen.
Die Katukina sind seit dem Beginn der Verbreitung von Rapé bekannt, da sie zu den ersten gehörten, die diese Medizin in die Welt gebracht haben. Mit Kambô waren sie die Allerersten in Brasilien; sie gelten als der kompetenteste Stamm in der Anwendung dieser Medizin.

Lucys-Leserinnen und -Leser können die Katukina mit einer Spende unterstützen. Mit dem Sponsoring-Projekt, bei dem 3000 britische Pfund gesammelt werden, soll eine Versorgung mit sauberem Trinkwasser für das neue Dorf im Wald bereitgestellt werden.