Rapé – Heiliger Snuff vom Amazonas

XtraEine schamanische Schnupfpulver-Medizin

Geber und Empfänger teilen beim Rapé-Ritual für einen entscheidenden Moment den Atem. Foto: Reuters

Text Lucifer Svard und Markus Berger

Rapé (sprich: Ha-pee bzw. Ha-pay) ist eine heilige schamanische Medizin, die von Heilern des Amazonasbeckens seit Tausenden von Jahren verwendet wird; im Laufe der Zeit wurde sie zu einem wichtigen Teil der Stammeskulturen und -geschichte. Rapé ist die Bezeichnung für einen komplexen Tabakblend aus pulverisierten Pflanzen. Südamerikanische Schamanen gebrauchen Tabak als heilige und ganzheitliche Medizin, und es existiert eine enge Verbindung zwischen Schamanismus und Tabakverwendung, die nur sehr wenig mit unserem Gebrauch von Tabak zu tun hat. Indigene Stämme nutzen Tabak bei Ritualen, um beispielsweise gutes Wetter und gute Fischerei- und Ernteerfolge vorherzusagen, wie auch für spirituelle Zwecke (Visionssuche, Trance usw.) und Heilungen. Die Verwendung von Tabak bei südamerikanischen Stämmen wie den Kaxinawá, Nu-nu, Yawanawá und Katukina ist tief mit deren Kultur verwoben. Sie hat sich spätestens mit der Mayakultur entwickelt – vor allem für rituelle, medizinische und rekreative Zwecke.

Meist ist im Rapé als Hauptzutat eine potente Tabakart enthalten, nämlich Nicotiana rustica, manchmal auch Nicotiana tabacum. Nicotiana rustica ist etwa 20-mal stärker als Nicotiana tabacum und kann deshalb leichter bewusstseinserweiternde Wirkungen herbeiführen. Neben Tabak enthalten Rapé-Zubereitungen häufig auch pulverisierte und gesiebte Blätter, die zuweilen mit fein gemahlenem Pflanzenmaterial oder alkalischer Asche von Kampfer, Zimt, Tonkabohne, Klee, Bananenschale und Minze angereichert werden. Außerdem kann die Rapé-Asche mit Zusätzen psychoaktiver Pflanzen versetzt sein, z.B. Macambo (Theobroma bicolor), Txunú (Platycyamus regnellii) und Copaíba. Es gibt spezielle Rapé-Blends; sie enthalten beispielsweise Pflanzenteile von Anadenanthera (Yopo bzw. Cebíl), Erythroxylum (Kokastrauch und verwandte Arten) und den Talgmuskatnussbäumen der Gattung Virola, zuweilen auch Jurema (Mimosa hostilis) und Chacruna (Psychotria viridis). Man verwendet sie für rituelle und heilerische Zwecke. Darüber hinaus existieren weitere spezielle Rapé-Zutaten, die jedoch ein Geheimnis derjenigen Schamanen bleiben, welche die Mischung herstellen.

Wirkungen und Gebrauch von Rapé
Rapé wird von verschiedenen Stämmen des Amazonasbeckens hergestellt und verwendet, unter anderem von den Katukina, Yawanawa, Kaxinawa, Nukini, Kuntanawa und Matse. Jeder Stamm hat seine eigenen Rapé-Rezepte, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Die indigenen Ethnien verwenden Rapé zu verschiedenen Anlässen, beispielsweise für Pubertätsrituale bei Mädchen, Initiations- und Gesellschaftsrituale, bei Cashiri-Trinkfesten (auch: Balché, ein Honigbier) und für Heilungszeremonien. Dabei hat jeder Stamm seine eigene Art der Rapé-Anwendung entwickelt: Manche nehmen Rapé jeden Tag nach dem Frühstück und Abendessen, andere verwenden das Schnupfpulver dreimal pro Nacht. Abhängig vom Anlass kann Rapé mit anderen bewusstseinserweiternden Pflanzen angereichert werden, etwa mit Coca, Jurema (Mimosa tenuiflora) oder Anadenanthera, also Yopo bzw. Cebíl.

Ein Rapé-Ritual wird normalerweise von zwei Personen durchgeführt. Dabei wird das Schnupfpulver mithilfe eines Blasrohrs aus Bambus oder Knochen tief in die Nasenlöcher der empfangenden Person eingeblasen. Diese schnelle Art der Rapé-Insufflation ermöglicht es dem Anwender, den Geist zu fokussieren, die ewig plappernden Gedanken zu stoppen und den psychischen Raum für spirituelle Zwecke zu öffnen. Außerdem hilft Rapé, gefühlsmäßige, physische und spirituelle Leiden und Krankheiten loszulassen und Negativität und Verwirrung zu mildern, womit eine gründliche Erdung des Geistes möglich ist. Schamanen verwenden Rapé auch, um ihre Energiekanäle und die Verbindung zu ihrem höheren Selbst neu abzustimmen und zu kalibrieren und um ihre Verbindung mit der Welt und dem Universum zu stärken. Rapé hilft, den Körper zu entgiften und Schleim, Toxine und Bakterien zu eliminieren; das kann beispielsweise bei der Behandlung von Erkältungen und Schnupfen hilfreich sein. Außerdem weist Rapé mit dem enthaltenen Nikotin stimulierende Effekte auf, weil es unter anderem Epinephrin (Adrenalin), Acetylcholin und Dopamin im Körper freisetzt. Dies begünstigt wiederum einen zentrierten Geist, eine vollständige Präsenz und die Intuition.

Lucys Xtra

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