Wer leckt hier die Kröte?

Psychedelic Safer Use: 5-MeO-DMT

Die Koloradokröte Bufo alvarius. Foto: Archiv Markus Berger

Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt auch heutzutage noch Texte zur Drogenkunde, die postulieren, psychoaktive Kröten könnten geleckt werden, um eine psychedelische Wirkung herbeizuführen. Das ist nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich.

Koloradokröte und 5-MeO-DMT

Die Koloradokröte oder Coloradokröte (Bufo alvarius, Incilius alvarius) gehört zwar zu den Tieren, mit deren Hilfe man an machtvolle Entheogene gelangt. Im Sekret dieser berühmten Kröte befindet sich aber 5-Methoxy-DMT (5-MeO-DMT), und das ist oral gar nicht wirksam, sondern muss – sofern Krötenschleim vorliegt – geraucht werden, um seine psychedelische Wirksamkeit entfalten zu können.

Toxische Substanzen im Sekret

Das Problem: Das Sekret der Koloradokröte enthält durchaus oral wirksame pharmakologisch aktive Substanzen, allerdings keine psychoaktiven, sondern giftige, so z.B. das herzaktive Alvarobufotoxin, dessen Einnahme lebensgefährlich sein kann, insbesondere für Personen, die kardiovaskulär.

Um das 5-MeO-DMT-haltige Sekret der Koloradokröte nutzbar zu machen, muss es dem Tier zunächst auf sanfte Weise entlockt („gemolken“) werden. Anschließend wird das Sekret getrocknet und dann in einer Pfeife geraucht oder verdampft. Die herzwirksamen Moleküle kommen dabei nicht zur Geltung – sie werden beim Trocknen und anschließenden Erhitzen der Substanz neutralisiert.

Kröten in Gefangenschaft?

Es ist generell keine gute Idee, sich eine Kröte zu besorgen, um sie dann zuhause zu halten und für die Gewinnung von psychoaktiven Drogen zu verwenden (manche behaupten auch, dass die Kröten in Gefangenschaft keine psychedelischen Substanzen produzieren). Der Umgang mit Psychedelika sollte stets auch einen respektvollen Umgang mit der Natur implizieren – wer das nicht versteht, hat auch die psychedelischen Erfahrungen nie wirklich verstanden.

Keine Partydroge

Wenn mächtige schamanische Werkzeuge zur Partydroge verkommen, ist der Untergang des Abendlandes nur ein Stückchen näher. 5-MeO-DMT ist sowieso nicht geeignet, um im Club oder auf dem Festival die Nacht zu sublimieren. Entsprechende Versuche seitens der Partypeople sind schon ziemlich nach hinten losgegangen. Im Zweifel ist die Fete nämlich dann deutlich früher zuende.

5-MeO-DMT

5-MeO-DMT ist eng mit DMT (N,N-Dimethyltryptamin) verwandt, der korrekte chemische Name lautet 5-Methoxy-N,N-Dimethyltryptamin. 5-MeO-DMT kommt, wie auch DMT, in der Natur vor und findet sich in Mensch, Tier und vielen Pflanzen. 5-MeO-DMT wird geraucht, geschnupft oder injiziert und ist deutlich potenter als N,N-DMT. Je nach Applikationsform können schon 5 bis 10 mg (zuweilen auch weniger) den Psychonauten in den Hyperspace katapultieren. Die Wirkung ist in gewissem Sinne (und je nach Dosis, Set und Setting) mit DMT zu vergleichen, jedoch bei Weitem nicht dieselbe. 5-MeO-DMT wirkt gewöhnlich mehr auf der mentalen Ebene und oftmals weniger visuell als sein Verwandter N,N-DMT. Dafür können die Erfahrungen mit 5-MeO extrem kosmisch sein.

Literaturtipp

Markus Berger (2017): DMT – Forschung, Anwendung, Kultur. Aarau: AT Verlag (Lizenzausgabe im Nachtschatten Verlag)

Medientipp

Filip Zárubas Film Bufo alvarius