Psychedelik kommt an

Die Psychedelik wird allmählich salonfähig. Die Gesellschaft realisiert zwar langsam, aber immerhin, dass transpersonale Erfahrungen und der psychedelische Weg nichts mit betäubten und verirrten Lebensverneinern und Realitätsflüchtlingen zu tun haben. Die Verdrängung von Bewusstseins- und Selbsterforschern in den sogenannten Untergrund ist lediglich eine alte Masche derer, denen es schlichtweg egal ist, wie es um unseren Lebensraum bestellt ist und denen es nur um möglichst maximalen Profit geht.

Das kurzfristige Denken á la «Was geht es mich an, wie es hier nach meinem Ableben aussieht?» ist das Resultat einer falsch verstandenen Wirklichkeit. Deshalb sind Psychonauten auch nicht der kriminelle Kontrapunkt zu einem funktionierenden System, sondern gesellschaftlich Ausgestoßene, deren aus der Erkenntnis geborene Weltanschauungen und Philosophien jene stören, die unsere Erde ausbeuten und vergewaltigen und damit langfristig das Habitat für Wesen aller Art vernichten: die kapitalistischen Boliden, die in ihrem Unersättlichkeitswahn nicht davor zurückschrecken, die  Ärmsten der Armen und sämtliche natürlichen Ressourcen zu opfern. Unersättliche Produzenten nähren eine auf Unersättlichkeit konditionierte Menschheit.

Die Psychedelik kommt zurzeit ganz nebenbei  –  fast unbemerkt – in der Gesellschaft an. Das lässt sich nicht nur daran ermessen, dass mittlerweile Mainstream-­Protagonistinnen wie Paris Hilton und Katy Perry zum legendären Psychedelic Gathering Burning Man in die Wüste Nevadas tuckern, um dort tagelang mit Psychonauten abzufeiern. Auch das Feedback zu unserem Magazin gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir wirklich immer mehr werden – und deshalb präsentieren wir auch in dieser Ausgabe wieder eine Auswahl wichtiger psychoaktiver Texte von kompetenten Autoren.

Mit dabei sind zum Beispiel erstmals Wolfgang Bauer mit einem Artikel über den Volkskundler und Psychedelikpionier Sergius Golowin (1930–2006) und Micky Remann, der uns Erhellendes zum Floating berichtet. Texte von Albert Hofmann (Psychedelika und das Sterben), Friederike Meckel Fischer (zur psycholytischen Therapie) und Claudia Müller-Ebeling (über den Künstler und Psychonauten herman de vries) sowie zu den Themen Schamanismus, Iboga, LSD-Verwandte, Psilo­cybinpilze und viele andere mehr vervollständigen diese Ausgabe.

Ganz besonders freue ich mich über die Mitarbeit des geschätzten Kollegen Giorgio Samorini aus Italien, der selbst schon Herausgeber einer Zeitschrift war, nämlich des Magazins Eleusis – Journal of Psychoactive Plants & Compounds, und der ab dieser Ausgabe seine eigene Rubrik «Eleusis Kompakt» betreuen wird. Darin präsentiert der belesene Samorini erstaunliche Nachrichten aus der Welt der Drogenforschung. So entdeckte man zum Beispiel, dass der Gemeine Stechapfel, eine auch bei uns heimische Pflanze, Amphetamin und verwandte Derivate enthält. Eine wissenschaftliche Sensation! Zwar hatten Forscher Ende der Neunzigerjahre schon einmal geglaubt, Amphetamine in zwei texanischen Akazienarten entdeckt zu haben, dies ließ sich aber nicht bestätigen. Jetzt sieht es allerdings tatsächlich so aus, als seien diverse Amphetamine Naturstoffe. Es bleibt also spannend. Viel Vergnügen mit der Lektüre der Nummer 4 von Lucy,s Rausch!

Markus Berger, Chefredakteur

PS: Es sind die kleinen Schritte, die uns voranbringen. Deshalb drucken wir Lucy‘s Rausch ab jetzt auf ökologischem, 100 % recycletem Circlematt-Papier.