Sex und Cannabis

XtraCannabis zur Verbesserung des sexuellen Erlebens – ein Überblick

Cannabisblüte | @iambobnelson via unsplash

Cannabis als Aphrodisikaum. Hippies und Cannabis-Connaisseure sprechen schon lange darüber – auflagenstarke Tageszeitungen ziehen mittlerweile nach und fragen sich: «Kann Cannabis den Sex verbessern?». Was ist dran an der Behauptung? Reines Klischee aus der «Flower-Power-Ära», Placebo-Effekt oder greifbare Tatsache?

Sex unter dem Einfluss von Psychotropika ist ein alter Hut. Seien es aphrodisierende Wundermittel, alkoholische Getränke, aber auch illegalisierte Substanzen. Handelt es sich um synthetische Drogen, so wird üblicherweise von «Chemsex» (auch: «Party and Play») gesprochen.

Neben diesen Substanzen gilt aber gerade Cannabis als Stimulanz und Verstärker par exellence – was bei geübten Cannabis-Freunden, zumindest laut Eigenaussagen, gut funktioniert.

Inhalt

 

Cannasex – Sex Yoga, Tonikum und Reefer Madness

Nicht erst die sogenannte Hippie-Bewegung entdeckte die sexuell stimulierenden Wirkungen von Cannabis. Bereits in der Atharvaveda – einem der heiligen Bücher des Hinduismus, das etwa im Jahr 1000 v.u.Z. enstanden ist – werden Zubereitungen aus dem indischen Hanf für das Liebesleben besprochen (vgl. Aldrich 1977, S. 228).

Aldritch (1977, S. 229) schreibt darüber hinaus:

»Sex-Yoga entwickelte sich gleichzeitig mit dem «Drogen-Yoga» in der späten vedischen Epoche. Die Chandogya Upanishad vergleicht den sexuellen Akt mit einem vedischen Feueropfer: „Die Frau ist das Feuer, ihr Schoß der Brennstoff, die Einladung des Mannes der Rauch. Die Tür ist die Flamme, das Eintreten die Glut, die Lust der Funke. In diesem Feuer bilden die Götter die Opfergabe.“«

Cannabis fügt sich passend in dieses Bild, da es in der Hindu-Volksmedizin »als exzellentes Aphrodisiakum gehandelt [werde].« (vgl. auch: Campbell 1894)

(In der zeitgenössischen Rezeption wird Sex-Yoga insbesondere den tantrischen Lehren zugeschrieben, was heute jedoch eher als neumodische Verknüpfung von «New Age» und traditionellen Lehren verstanden wird, auch bekannt als «Neo-Tantra».)

Auch dem Westen sind die aphrodisierenden Eigenschaften des Cannabis vor der «Reefer-Madness-Ära» durchaus bekannt gewesen. So waren handgefertigte Pillen und Extrakte keine Seltenheit in US-amerikanischen Apotheken.

Erst die nahezu apokalyptische Kriminalisierung machte aus dem Liebesmittel eine willensraubende Substanz, die vor allem Frauen zu vermeintlich «sexuellem Fehlverhalten» verleiten sollte, indem sie »relations with negros and entertainers« aufnahmen. Letztlich war es diese rassistische und sexistische Propaganda, die dabei half, dass Cannabis einer widersinnigen Prohibition zum Opfer fiel, deren Konsequenzen auch heute noch spürbar sind.

Die Studienlage zu Cannabis und Sex

In Deutschland waren die Themen wie lustbetonte Sexualität und hedonistischer Drogengebrauch lange Zeit ein gesellschaftlich heißes Eisen. Öffentliche Debatten über Sex, der nicht Sünde war, oder dem Arterhalt dienen sollte, waren kaum denkbar. Erst die rebellierenden Subkulturen der ausgehenden 1960er Jahre eröffneten den betreffenden Diskurs und damit auch das Forschungsfeld.

Während seiner Zeit am Hamburger Institut für Sexualforschung veröffentlichte der renommierte Sex- und Drogenforscher Günter Amendt unter dem Titel «Haschisch und Sexualität» (1974) eine der ersten ernstzunehmenden Studien zum Thema.

Sein Resümee:

»Die in der Öffentlichkeit — teilweise auch der wissenschaftlichen Öffentlichkeit den Drogen Haschisch und LSD zugeschriebene Eigenschaft, sexuell positiv stimulierend zu sein, läßt sich aus dem Untersuchungsmaterial schlüssig nicht ableiten, obwohl einige Angaben Hinweise auf die Richtigkeit dieser Hypothese geben.

Aber wenn auch fraglos ein signifikanter Zusammenhang zwischen Sexualverhalten in der Subkultur und bestimmten in der Subkultur gebrauchten Drogen festzustellen ist, so ist damit noch nicht die Frage beantwortet, in welcher Abhängigkeit die jeweiligen Variablen zueinander stehen« (Amendt 1974, S. 109, eigene Hervorhebung).

Nur wenige zeitgenössische Studien widmen sich dem Thema. Eine der umfassenderen Erhebungen zu diesem «Pharmacosex» (vgl. Moyle et al. 2020) trägt den Titel «Wirkungen psychoaktiver Substanzen auf das Bedürfnis nach Liebe, Zärtlichkeit und Sex sowie auf die sexuelle Performance» von Joachim Eul und Rolf Verres (2016).

Die Studie adressiert 1616 drogenerfahrene Personen mit anonymen Fragebögen zu Veränderungen im Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit, im Bedürfnis nach Sex sowie in der Fähigkeit zur Ausführung von Sex nach dem Konsum neun verschiedener, standardmäßig erfasster, sowie 25 weiterer Drogen im Vergleich zum nüchternen Normalzustand.

Dabei wurde die größte Steigerung des Bedürfnisses nach Liebe – verbunden mit einer deutlich angehobenen Libido – dem MDMA (Ecstasy) und nachfolgend Cannabis zugeschrieben. Kokain befähigt der Studie zufolge zu sexueller Mehrleistung, führt jedoch nicht zur Steigerung von Liebes- oder Nähebedürfnis.

Lucys Xtra

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